Mitarbeiter des Klinikums Fichtelgebirge demonstrieren - Geschäftsführer sieht ländliche ...
Lautstarker Protest in Berlin

Lokales
Bayern
25.09.2015
0
0
Mit über 170 Mitarbeitern beteiligte sich das Klinikum Fichtelgebirge (Häuser Selb und Marktredwitz) am Mittwoch an der Zentralveranstaltung des bundesweiten Aktionstags "Krankenhausreform? So nicht!" in Berlin. Zusammen mit rund 10 000 Kollegen aus ganz Deutschland protestierten sie vor dem Brandenburger Tor gegen das geplante Krankenhausstrukturgesetz.

"Dies ist keine Krankenhausreform, die diesen Namen verdient", sind sich Krankenhäuser und Ärzteverbände einig: "Wo Hilfe draufsteht, sind in Wirklichkeit neue Lasten drin." Sätze, die am Mittwoch immer wieder fielen: "Kahlschlag statt des versprochenen Befreiungsschlags!", "Mehr Qualität durch weniger Geld und Personal - wie soll das gehen?", "Eine reine Mogelpackung!"

Der Ansatz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe propagiere eine Qualitätssteigerung in deutschen Kliniken, die durch Zuschläge für gute Leistungen beziehungsweise Abschläge für Mängel, durch den Abbau von Überkapazitäten und durch zunehmende Spezialisierungen der einzelnen Häuser erreicht werden soll.

Hohe Belastung

Ärzteverbände und Krankenhausbetreiber bemängeln jedoch vor allem, dass der Gesetzentwurf die wirklich wichtigen Probleme, mit denen die Krankenhäuser zu kämpfen haben, überhaupt nicht anspreche, nämlich die hohe Belastung des Personals, den weit verbreiteten Sanierungsstau und den drohenden Kollaps der Notfallambulanzen. "Im Gegenteil", sagt auch Martin Schmid, Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge mit den beiden Standorten Selb und Marktredwitz. "Diese existenziellen Probleme werden durch die Reform noch verschärft." Auch den steigenden Anforderungen durch den demografischen Wandel und den medizinischen Fortschritt werde in keiner Weise Rechnung getragen. Allein im Jahr 2017 würde, wenn das Gesetz wie geplant verwirklicht wird, den deutschen Krankenhäusern eine Milliarde Euro entzogen. Die Reform werde außerdem eine neue Bürokratie- und Kontrollflut bringen. "Vordergründig geht es um Qualitätssicherung", kritisiert die Bundesärztekammer den Entwurf, "in Wahrheit jedoch darum, die Zahl der Kliniken spürbar zu reduzieren."

Gerade ländliche Kliniken, so Martin Schmid, würde die Reform hart treffen, auch wenn ihre Schließung politisch überhaupt nicht gewollt sei: So würden zum Beispiel durch geplante weitere Mindestmengenregelungen die zertifizierten Zentren an kleineren Häusern, die die geforderten Patientenzahlen nicht mehr aufweisen können, in Bedrängnis geraten. Ganz zu schweigen von gut erreichbaren geburtshilflichen Abteilungen, die durch sinkende Geburtenzahlen im ländlichen Raum immer wieder auf dem Prüfstand seien.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.