Mundartdichterin Grete Pickl, ihr Mann Georg und der Freundeskreis Goglhof zu Gast im Radio
"Lange Gschichtn schreibe net so gern"

Live auf Sendung sind hier die Studio-Gäste Grete und Georg Pickl bei Evi Strehl (links). Bild: hka
Lokales
Bayern
16.06.2015
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Grete Pickl, Mundartdichterin und Autorin aus Kastl, und ihr Mann Georg sind die Gesprächspartner von Evi Strehl. Um sie herum sitzen erwartungsvolle Zuhörer im kleinen Studio. Sie sind zusammen mit Hermann Gnahn, dem Vorsitzenden des Freundeskreises Goglhof, nach München gekommen, um die Live-Sendung auf dem digitalen Radiosender BR Heimat mitzuerleben.

Die große Überraschung: Es geht absolut locker zu. Keine Hektik oder Nervosität bei der Moderatorin: "Die Fehler, die man machen kann, habe ich alle schon hinter mir", lacht sie. Handys sollten ausgeschaltet sein, aber absolute Stille ist kein Muss.

Die ehemalige Kreisheimatpflegerin hat vor Jahren schweren Herzens Sulzbach-Rosenberg und ihre Wohnung in einem alten Stadtturm verlassen, um in München beim Bayerischen Rundfunk zu arbeiten. Die Verbindung zu ihrer Heimat aber ist geblieben - besonders zum Freilandmuseum Goglhof in Eberhardsbühl, auf dem Vorfahren von ihr lebten.

Evi Strehl sitzt - auch das erstaunt ihre Besucher - allein vor dem Bildschirm und am Mikrofon, hat keine weiteren Mitarbeiter. Sie moderiert, spielt Musik ein, kündigt eine Unterbrechung für die Nachrichten an, unterhält sich mit ihren Gästen, um auf die Sekunde genau wieder die Kopfhörer aufzusetzen. "Ihr seids ein bsonderes Ehepaar", begrüßt sie Grete und Georg Pickl. Grete hat von Lauterhofen nach Kastl geheiratet und mit Georg, einem Schuhmachermeister, drei Kinder groß gezogen.

Schon in jungen Jahren interessierte sie sich für "die Gschichten der Leut". In der Kastler Leihbücherei, erinnert sie sich, sei sie zum ersten Mal mit Mundartdichtung in Berührung gekommen. Sie fing an, selbst zu schreiben, Gedichte vor allem. "Lange Gschichtn schreibe net so gern", gesteht sie. Und: "I kannt nix schreim, wos i niat selwa erlebt ho oder vo andere ghört."

Pickls Mundartgedichte erscheinen unter anderem in der Wochenendausgabe im Neuen Tag. Auch in einem Buch sind ihrer Kostproben zusammengefasst: "Schmeckt's?" heißt der Band mit Texten in Oberpfälzer Mundart übers Essen.

Und da kommt Georg Pickl ins Spiel. Der Schore, wie er genannt wird, hat die Bilder zu diesem Band gemacht, denn Fotografieren ist sein Metier von Jugend an. Die künstlerisch und wissenschaftlich tätigen Kinder haben ebenfalls beigetragen.

Evi Strehl lässt die Pickls von Kastl erzählen, von der Klosterburg, den Schweppermann-Spielen, der kleinen Königstochter Anna, die als Mumie in der Klosterkirche ruht. Dazwischen ruft sie immer wieder Musik ab, oberpfälzische meist - und einige Wunschtitel von Grete Pickl.

Als es auf 18 Uhr zugeht und sich die zweistündige Live-Sendung dem Ende nähert, tauscht Grete Pickl den Platz mit Hermann Gnahn. Sein Thema ist der Goglhof, dessen Geschichte und das rege Leben als Freilandmuseum heute. Gnahns Vorfahren haben von 1815 bis 1909 auf dem Anwesen in Eberhardsbühl, Gemeinde Edelsfeld, gelebt, und sein Großvater ist dort zur Welt gekommen.

Dem Studio-Besuch voraus ging eine Führung durch das Funkhaus. Sascha Hurle zeigte den Oberpfälzern verschiedene Studios und erzählte über die Entwicklung des Bayerischen Rundfunks bis heute mit fast 5000 festen und freien Mitarbeitern.
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