Operationen im hohen Alter

Wichtig ist, dass der Patient wieder voll belastbar ist und am sozialen Leben teilnehmen kann.
Lokales
Bayern
13.12.2014
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Auch betagtere Senioren kommen manchmal um eine Operation nicht herum: Was die moderne Anästhesie dabei leisten kann, erläuterte Chefarzt Michael Paland in der Vortragsreihe "Herausforderung Älterwerden" in den Häusern Marktredwitz und Selb des Klinikums Fichtelgebirge.

Michael Paland, Leiter der Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Fichtelgebirge, ging zunächst auf die Frage ein, was im Alter überhaupt noch operiert wird: Das seien natürlich an erster Stelle von Arthrose befallene Gelenke und Schäden am Gefäßsystem. Auch Amputationen seien manchmal unumgänglich. Eher die Ausnahme stellten Eingriffe an den Nasennebenhöhlen dar, an der Schilddrüse oder den Rachenmandeln; auf Schönheitsoperationen müsse man ganz verzichten.

Als Ziele eines Eingriffs nannte Paland eine möglichst geringe Invasivität und die Begrenzung der Operationsdauer. "Wichtig ist, dass der Patient danach wieder voll belastbar ist und am sozialen Leben teilnehmen kann."

Die Ängste, die vor allem ältere Menschen vor einer möglichen Operation umtreiben, sind dem Mediziner aus täglichen Patientengesprächen hinreichend bekannt: "Muss ich überhaupt operiert werden?" fragen viele, "Komme ich nachher auf die Intensivstation? Was, wenn es nicht klappt? Ist das alles das Risiko überhaupt wert? Bin ich nachher vielleicht verwirrt?"

Große Fortschritte

Natürlich müsse das besprochen werden, konstatierte der Referent, doch er ermutigte seine Zuhörer auch: "Was Verträglichkeit und Steuerbarkeit einer Narkose angeht, hat es in den zurückliegenden Jahrzehnten viele und bedeutende Entwicklungen gegeben." Beim älteren Patienten spiele vor allem die sogenannte Regionalanästhesie, auch "Teilnarkose" genannt, die durch die Funktionshemmung ausgewählter Nerven Schmerzfreiheit schenkt, eine immer größere Rolle, da sie den Organismus weit weniger belaste als eine Vollnarkose. Nach einer Regionalanästhesie trete auch viel seltener das gefürchtete "Durchgangssyndrom" auf. Darunter verstehe man diverse Störungen der geistigen und psychomotorischen Fähigkeiten, meist zwei bis sieben Tage nach dem Eingriff.

Blutdruck und Stoffwechsel

Weitere Maßnahmen dagegen seien wenn möglich die Reduzierung zerebral wirksamer Medikamente, ausreichend Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr rund um die Operation und die optimale Einstellung von Blutdruck und Stoffwechsel. Auch konstante Bezugspersonen und vielleicht auch persönliche Gegenstände am Krankenbett würden die Orientierung nach dem Eingriff für einen alten Menschen erleichtern.

Ein bedeutender Punkt sei schließlich auch die sogenannte "Compliance", die aktive Mitarbeit des Patienten. Gerade ältere Menschen hätten da oft eigene Vorstellungen: "Nicht jeder, der ein Medikament verordnet bekommt, nimmt es dann auch so, wie der Arzt es ihm gesagt hat."
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