Polyphon vom Feinsten

Der große Gemeinschaftschor stimmt das vielschichtige Kyrie an. Bild: lpp
Lokales
Bayern
24.12.2014
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Es war ein ungewöhnliches, faszinierendes Weihnachtskonzert. Das Otto-Hahn-Gymnasium überraschte mit einem komplett neuen Konzept.

Gemeinsam betraten der Unterstufenchor, der Kammerchor, das Soloensemble, der Lehrerchor, das Orchester und die Big Band zusammen mit dem Kirchenchor Sankt Sebastian Waldershof die Bühne in der Aula. Nur wenige Stücke standen diesmal auf dem Programm. Doch die hatten es in sich.

Zur Eröffnung erklang "Alle Jahre wieder", das Musiklehrer Andreas Kraus mit jazzigen Akkorden aufgepeppt hatte. Besonders schwer waren dabei die A-cappella-Einwürfe der beiden Chöre. Einmal übernahm der Unterstufenchor zum Trompetensolo die entsprechende Passage, bei der Überleitung zum Tonartwechsel dann der Kammerchor. Beide Chöre übernahmen im Nachspiel die Stimmen mit einem Solo der Herren aus dem Kammerchor. Die Leitung lag bei Musiklehrer Anton Felde.

Einschmeichelnd

Zu den Besonderheiten des Weihnachtskonzerts gehörte die Messe in B-Dur von Franz Schubert in einer Bearbeitung von Werner Stehbach. Er hatte die Messe an das Schulorchester in Verbindung mit der Big Band angepasst, so dass teilweise Singstimmen mit den Chören parallel mitmusiziert wurden. Der große Gemeinschaftschor begeisterte mit Kyrie, Gloria und Sanctus. Lieblich, mit einschmeichelndem Orchestervorspiel erklang das im Gottesdienst nur noch wenig gesungene Benedictus. Mit dem rhythmisch stark akzentuierten Agnus Dei schloss Werner Stehbach mit den Chören und Musikern die Messe.

Die Aufführung von Arthur Honeggers Weihnachtskantate stellte ein Novum in der Geschichte der Weihnachtskonzerte des Otto-Hahn-Gymnasiums dar. Neben reichlich Dissonanzen, also "absichtlich falsch" klingenden Passagen, waren auch eingängige Abschnitte zu hören. Andreas Krauß nannte die Auswahl der Kantate eine ziemliche Überraschung für alle Mitwirkenden. Sehr viel Probenarbeit stecke in der Kantate. "Polyphon vom Feinsten" nannte Krauß die Parallelität von fünf gleichzeitig gesungenen Weihnachtsliedern. "Sie können sich aussuchen, welcher Stimme sie folgen möchten", forderte er das Publikum auf. Während normalerweise die Weihnachtslieder hintereinander, sozusagen horizontal angeordnet werden, erklangen sie hier übereinander geschichtet, praktisch vertikal. "Das ist das Schwerste, was wir je einstudiert haben", lobte Andreas Krauß Sänger und Musiker.

Veronika Ertl Solistin

Musikalisch waren zwei Höhepunkte in der Kantate zu erwarten, einmal die schönste vorstellbare "Stille Nacht"-Version der Musikgeschichte, in der zusätzlich "O du fröhliche", An der Krippe zu Bethlehem", "Vom Himmel hoch" und "Susanni" zu hören waren. Außerdem die lauteste Stelle des Werkes: "Laudate Domini", bevor die Kantate mit einem "Zitateausklang" instrumental zu Ende geführt wurde. Die Solopassage übernahm Studienrätin Veronika Ertl. Die Gesamtleitung der Kantate lag bei Werner Stehbach. An der eigens in der Schule aufgebauten Orgel saß Anton Felde. Kaum noch eine Steigerung möglich war dann bei Händels "Tochter Zion". Auch hier gaben sich die Chöre und Musiker die Stimmen übertragen gesehen in die Hand. Marina Gmeiner stand dabei am Dirigentenpult.

Bevor das Publikum beim vielstimmigen "O come all ye faithful" von Dirigent Andreas Krauß zum Mitsingen aufgefordert wurde, übergab Xenia Kugler vom Elternbeirat eine Spende für die "wunderbare" geleistete Arbeit getreu dem Motto der Schule "offen, harmonisch und gemeinsam". "Ihr habt das Maximale geleistet", dankte sie den Schülern und mitwirkenden Erwachsenen.
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