Ruhe für nervöse Blase

Mittlerweile kann bei Frauen eine überaktive Blase in Verbindung mit einer Senkung sehr gut operativ korrigiert werden.
Lokales
Bayern
21.03.2015
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Harninkontinenz ist ein unangenehmes Thema. "Aber darunter leiden genauso viele Menschen wie unter Rückenschmerzen", wusste Dr. Alexander Kugler, der auch über neue Operationstechniken informierte.

Der Leitende Oberarzt der Urologischen Abteilung des Klinikums Fichtelgebirge gab einen Überblick über Formen, Ursachen und Therapie des Leidens. Dr. Alexander Kugler erläuterte, was vielen nicht bewusst war: Frauen sind viel häufiger von Harninkontinenz betroffen als Männer. Ganz wichtig, so Dr. Kugler, sei die Unterscheidung von Belastungsinkontinenz und überaktiver Blase, wobei es auch Mischformen gebe.

Wer unter einer überaktiven Blase leide, verspüre ständigen Harndrang, obwohl die Blase kaum gefüllt sei. Hier könne oft schon bewusstes Toilettentraining helfen; als wirksam hätten sich auch Medikamente mit sogenannten "Rezeptorenblockern" erwiesen. Seit zwei Jahren würden die Kassen auch die Behandlung mit Botox übernehmen: Eine Einspritzung dieses Nervengifts in die nervöse Blase lähme den Blasenmuskel, reduziere den Harndrang und bringe etwa 80 Prozent der Patienten Erleichterung. Wenn die Bänder, die sowohl Blase als auch Gebärmutter halten, in schweren Fällen ausgeleiert oder sogar gerissen sind, so der Referent, rutsche die Harnröhre nach unten, die Blase verliere ihre Speicherfunktion und signalisiere ständig fälschlicherweise Harndrang. "Mittlerweile kann bei Frauen eine überaktive Blase in Verbindung mit einer Senkung jedoch sehr gut operativ korrigiert werden, indem die Bänder rekonstruiert und die ehemaligen anatomischen Strukturen wiederhergestellt werden."

Übergewicht

Bei der Belastungsinkontinenz ist der Verschlussapparat der Blase nicht mehr in Ordnung. Ein typisches Merkmal: Urinverlust bei körperlicher Belastung oder Anspannung (Husten, Niesen). Die Ursache könnten beispielsweise schwere körperliche Arbeit, mehrere Geburten oder Übergewicht sein. Wenn Beckenbodengymnastik oder Östrogengaben, die sich positiv auf die Schleimhaut auswirken, nicht mehr helfen, habe sich eine in Frankreich entwickelte Operationsmethode als sehr erfolgreich erwiesen: Um die Harnröhre legt der Operateur ein Goretexbändchen, das ins Gewebe einwächst und über zehn Jahre hält. Bis zu fünf Prozent der Männer hätten nach einer radikalen Prostatektomie mit einer Belastungsinkontinenz zu kämpfen, führte Dr. Kugler aus. Hier habe sich das "Argusband", eine Schlinge, die in einem minimal invasiven Eingriff um die Harnröhre gelegt wird, als sehr erfolgreich erwiesen.

Urodynamik

Grundsätzlich sei es ausschlaggebend, vor jeder Therapie die genaue Form und Schwere der Inkontinenz festzustellen. "Dabei landet man nach einem persönlichen Protokoll, Ultraschall und Blasenspiegelung letztendlich bei der sogenannten Urodynamik", erklärte der Referent. Dabei handle es sich um einen Computer, der mit einem Messkatheter verbunden sei und die Blasenkapazität, die Beckenbodenmuskulatur und Kraft und Dehnbarkeit des Blasenmuskels genau definieren könne. Erst dann sei die Entscheidung für eine bestimmte Therapie klar.
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