Sabine Dittrich stellt im "Literarischen Café" ihren Roman "Erben des Schweigens" vor
Reise in deutsch-tschechische Vergangenheit

"Eine authentische Geschichte mit wahren Schicksalen, auch wenn sie natürlich nicht alle zusammen in einer Familie vereint sind" präsentierte Autorin Sabine Dittrich im "Literarischen Café". Bild: lpp
Lokales
Bayern
26.11.2014
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Eine deutsch-jüdisch-tschechische Geschichte weckte im "Literarischen Café" im Egerland-Kulturhaus das Interesse zahlreicher Besucher. Katholische Erwachsenenbildung und Ackermann-Gemeinde hatten Sabine Dittrich für eine Autorenlesung gewinnen können.

Die Buchhändlerin aus Hof stellte ihr Erstlingswerk vor, zu dem sie sehr persönliche Begebenheiten inspiriert haben. Die 1962 geborene Schwäbin pflegte in ihrer Jugendzeit zahlreiche Brieffreundschaften in alle Welt, auch über den Eisernen Vorhang hinweg - in die damalige Tschechoslowakei. Es entwickelte sich eine Freundschaft mit Ivana Vankova, die bis heute Bestand hat. Vertieft haben sie die beiden Frauen nach der "samtenen Revolution".

Nie gefragt

Durch ihre tschechische Freundin erhielt Sabine Dittrich tiefe Einblicke in eine ihr vollkommen fremde Welt. Ihr Vater, ein gebürtiger Schlesier, sprach nie über Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung. "Und ich habe nie gefragt", bereut die Autorin. So sieht sie sich und auch die Protagonistin im Buch als eine Erbin des Schweigens.

Sie wagt sich an ein heikles Thema, von dem Vertriebene und in Konzentrationslagern Ermordete betroffen sind. Noch sei vieles nicht aufgedeckt, geschweige denn aufgearbeitet. In ihren akribischen Recherchen stieß die Autorin auf widersprüchliche Angaben. Im Roman "Erben des Schweigens" schickt Sabine Dittrich die selbstständige Grafikerin Jael Winterstejn auf die Reise in die Vergangenheit. Tschechisch, jüdisch, deutsch? Verworren sind die Wege der Vorfahren. Jael Winterstejn entdeckt bei einem Spaziergang einen Grabstein mit ihrem Namen; auch ihre Großmutter trug ihn. Aber ist diese nicht im Konzentrationslager Auschwitz umgekommen? Die Suche nach dem Geschehenen wird zu einer spannenden und schmerzlichen Reise in die Vergangenheit ihrer Familie. Die Protagonistin begibt sich, wie auch die Autorin, in die Tschechische Republik, nach Prag, ins Sudetenland und trifft im früheren Haus ihrer Großmutter einen sympathischen Tschechen namens Radek. Auch er scheint ein Erbe des Schweigens zu sein. Im Gespräch mit dem jungen Mann, unterwegs mit ihm auf den Spuren der Wurzeln, begegnet die junge Deutsche einer interkulturellen und vielschichtigen Verwobenheit von Judentum und Katholizismus und deutsch-tschechischen Verwirrungen.

Schuld und Rache

Eine große Hilfestellung erfährt das inzwischen verlobte junge Paar von Jaels "Großmutter", einer ehemaligen Bediensteten der leiblichen Oma. Sie war es, die ein Kind jüdischer Eltern vor dem Tod bewahrte und mit ihm in die Oberpfalz gelangte. Gefühle von Schuld und Vergebung, Rache und Versöhnung hinterfragt die alte Frau mit dem Satz: "Hättet ihr immer das Richtige getan - damals?" Unrecht dürfe nicht mit Unrecht aufgerechnet werden.

Mit Fotografien von Häusern, Grabsteinen und Landschaften, die sie in Tschechien aufnahm, bereicherte Dittrich ihren Vortrag.
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