Selbsthilfe-Gruppen für Angehörige von Suizid-Opfern feiern 25-jähriges Bestehen - ...
Wege aus der völligen Fassungslosigkeit

Elisabeth Brockmann von der Bundesgeschäftsstelle in Bayreuth führte durch die Ausstellung "Suizid - keine Trauer wie jede andere". Bild: gis
Lokales
Bayern
13.10.2015
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Alle 52 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Hinter dieser Zahl steht viel Leid, auch für die Hinterbliebenen. Für sie ist es wichtig, Beistand zu finden - Menschen, die ihnen aus der Fassungslosigkeit und Erstarrung heraushelfen. "Viele Betroffene berichten, wie AGUS (Angehörige um Suizid) ihnen Halt und Zuversicht gab. Wie es ihnen half, mit den schweren Veränderungen ihres Lebens umzugehen und sie anzunehmen", sagt Elisabeth Brockmann von der Bundesgeschäftsstelle in Bayreuth.

Ganz andere Trauer

In diesem Jahr feiern die AGUS-Selbsthilfe-Gruppen - mittlerweile sind es über 60 - ihr 25-jähriges Bestehen. Vor 20 Jahren wurde der Verein AGUS e. V. gegründet (wir berichteten). Zu den beiden Jubiläen bietet AGUS eine Veranstaltungsreihe an, die nun mit der Wanderausstellung "Suizid - keine Trauer wie jede andere" in der Richard-Wagner-Straße 21 startete.

Bei der Eröffnung der Ausstellung wurde deutlich, dass es lange Zeit kaum möglich war, über Selbsttötung zu sprechen. "Mauern, die aus Angst, falsch zu regieren, aufgebaut wurden, müssen durchbrochen werden, um Hilfe leisten zu können", sagte der Schirmherr der Veranstaltung, Regierungspräsident Wilhelm Wenning. Denn "Trost kommt vom Himmel, vom Menschen der Beistand". "Was kann man tun, wenn man sprachlos ist?", stellte Bayreuths zweiter Bürgermeister Thomas Ebersberger in den Raum. "AGUS gibt den Hinterbliebenen eine Stimme und sorgt dafür, dass nichts verdrängt wird." Im Podiumsgespräch schauten Ehrenvorsitzender Dr. Klaus Bayerlein, Professor Dr. Manfred Wolfersdorf, Ärztlicher Direktor des Bayreuther Bezirkskrankenhauses, Elisabeth Brockmann und die Nürnberger AGUS-Gruppenleiterin Agnes Rückel dankbar zurück auf die Anfänge und beleuchteten die gesellschaftlichen Veränderungen bis zur heutigen Zeit. Berührend war es, als die AGUS-Gruppenleiterin die Jahre nach dem Suizid ihres Mannes schilderte und betonte, dass nach so einem Geschehen nichts mehr normal sei: "Aber es ist zu überleben". Anschließend führte Elisabeth Brockmann durch die Ausstellung, die anhand 23 großflächiger Banner mit Infos und Wissenswertem dazu beiträgt, die Situation der Hinterbliebenen kennenzulernen.
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