"Sicher nach innen und außen"

Die Justizvollzugsanstalt Marktredwitz biete Arbeitsplätze vom Akademiker bis zum Handwerksmeister, informierte Justizminister Dr. Winfried Bausback (rechts). Mit am Tisch saßen bei der Pressekonferenz am Dienstag Landtagsabgeordneter Martin Schöffel (links) und Oberbürgermeister Oliver Weigel (rechts). Bild: hd
Lokales
Bayern
22.09.2015
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Die Standortfrage lässt Dr. Winfried Bausback am Dienstag offen. Doch bemüht sich der Justizminister, Sorgen der künftigen Nachbarn der Justizvollzugsanstalt in Marktredwitz zu zerstreuen.

Dass die Glocken der benachbarten Kirche läuten, ist Zufall. Dennoch sind die Erwartungen hoch, als der Bayerische Justizminister am Dienstagvormittag den Großen Saal des Historischen Rathauses betritt. Und so betont Dr. Winfried Bausback, wie "gut, gravierend und nachhaltig" sich die Entscheidung, in Marktredwitz eine Justizvollzugsanstalt (JVA) zu bauen, wirtschaftlich auswirke.

Professor Winfried Bausback spricht von einer "großen Entscheidung" für Marktredwitz. Die von der Bayerischen Staatsregierung beschlossene Behördenverlagerung führe zu bedeutsamen Wechselwirkungen mit der örtlichen Wirtschaft. Immerhin bringe die neue Justizvollzugsanstalt 190 Arbeitsplätze in den unterschiedlichsten Berufssparten. Bausback weiß von zahlreichen Versetzungsgesuchen von Mitarbeitern aus dem Justizvollzugsdienst, die gerne nach Oberfranken möchten. In Marktredwitz sei eine JVA mit 364 Haftplätzen geplant, davon 120 für Straftäterinnen. Auch Frauen mit Kindern bis zu drei Jahren sollen hier ihre Strafe verbüßen. Außerdem werde überlegt, eine geriatrische Abteilung aufzubauen. Und deshalb würden Sozialpädagogen, Psychologen, Psychiater, Ausbilder und Handwerksmeister gebraucht.

Eingehende Prüfung

Der Justizminister weiß aber: "Der Aufbau einer Justizvollzugsanstalt geht nicht von heute auf morgen. Das braucht erheblichen Vorlauf." Die Standortentscheidung müsse wohlüberlegt sein, sagt Winfried Bausback und informiert kurz über die der Pressekonferenz vorangegangene Besichtigung der beiden zur Auswahl stehenden sechs bis sieben Hektar großen Areale: im Bereich Rathaushütte oder aber bei Wölsau. Präferenzen gebe es nicht. Auf Fachebene müssten nun Fakten wie Bodenbeschaffenheit, Naturschutz oder auch Verkehrsanbindung geprüft werden. Dr. Winfried Bausback: "Wir treffen heute keine Standortentscheidung." Es gebe auch noch keinen konkreten Zeitplan, sagt der Minister auf Nachfrage unserer Zeitung. "Aber natürlich haben wir ein Interesse, dass es so schnell wie möglich zu einer Verwirklichung der Justizvollzugsanstalt in Marktredwitz kommt."

Offener Brief

Dr. Bausback freut sich, "dass die Einrichtung einer Justizvollzugsanstalt vor Ort parteiübergreifend getragen wird". Er weiß jedoch von "besorgten Stimmen" und spielt damit auf einen offenen Brief von Anwohnern im Bereich Rathaushütte an. Darin hatten sie Bedenken, Sorgen und Ängste geäußert. So könnten nach dem Bau einer Justizvollzugsanstalt Wohn- und Lebensqualität leiden. Einige fürchten auch sinkende Immobilien- und Grundstückspreise.

Der Bayerische Justizminister setzt dem eigene Erfahrungen gegenüber. In den 70er Jahren sei in Aschaffenburg in einer Stadtrandsiedlung ein Gefängnis gebaut worden. Er sei in der Gegend groß geworden, lebe auch jetzt dort mit seiner Familie - 700 Meter von der Justizvollzugsanstalt entfernt. Bausback sagt mit Nachdruck: "Eine moderne Anstalt bietet Sicherheit nach innen und außen." Die JVA werte den Stadtteil in keinster Weise ab. Im Gegenteil. Er habe sich zu einer bevorzugten Wohngegend entwickelt. Dr. Winfried Bausback ergänzt: "Die Justizvollzugsanstalt ist bei uns in der Bevölkerung kein Thema."
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