Sogar Georg Hackl zieht den Hut

Lokales
Bayern
16.10.2014
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Einer der ganz großen Rodler verlässt die Eisrinnen, Armin Zöggeler beendet seine aktive Karriere. Der Südtiroler geht in die Geschichte ein, vor allem seine ständigen sportlichen Duelle mit Georg Hackl.

Einst stieß er den großen Georg Hackl vom Rodelthron, raste rund um den Globus von Rekord zu Rekord und sorgte zum Schluss sogar für eine Olympia-Bestmarke: Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Weltspitze hat Armin Zöggeler den Eisrinnen dieser Welt "Pfiati" gesagt. "Ich habe auf meine innere Stimme und den Körper gehört", sagte der Südtiroler Ausnahmeathlet, der Anfang Januar 41 Jahre alt wird und im Rodelzirkus alles erlebt und alles gewonnen hat. Künftig soll er sein großes Knowhow in die Entwicklungsarbeit einbringen.

Nur die Emotionen, die er am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz in Mailand erlebte, als er sich in schicker Carabinieri-Uniform noch einmal die Bilder seiner Laufbahn ansah, kannte Zöggeler nicht. Denn obwohl er sein Karriereende schon nach dem historischen Gewinn der Bronzemedaille bei Olympia in Sotschi andeutete, wartete er lange mit der offiziellen Bekanntgabe. "Der Tag der Entscheidung war dann doch schwerer als gedacht, weil man wirklich etwas hinter sich lässt", sagte der Olympiasieger von 2002 und 2006.

Zehn WM-Titel

Der Familienvater aus Völlan bei Meran hat den Rodelsport in den vergangenen Jahren geprägt wie kaum ein anderer, zehn WM-Titel im Einzel, 57 Weltcupsiege und zehn Gesamtweltcups sind nur drei von Zöggelers vielen Bestmarken. Mit sechs olympischen Medaillengewinnen bei sechs Spielen von 1994 bis 2014 gelang ihm sogar ein Rekord, den weder im Winter noch im Sommer jemals ein anderer Sportler schaffte.

"Olympische Spiele waren immer einzigartig", betonte Zöggeler, "aber wenn ich ein Resultat herauspicken müsste, war die Goldmedaille in Turin schon der Höhepunkt." 2006 hatte er Italien den ersten Triumph bei den Heimspielen beschert. "Mister Olympia macht Schluss", schrieb die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch auf ihrer Titelseite.

Dabei war Zöggeler zuletzt im Sommer noch ins Grübeln gekommen. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich versucht, wieder zu trainieren", sagte er. "Aber dann hat mein Körper das definitive Signal gegeben, dass es nichts bringt, dass ich nicht mehr 100 Prozent geben kann. Es gibt ja ein Leben nach dem Sport, ich will nicht ewige Wehwehchen riskieren."

Zöggelers Duelle mit dem dreimaligen Olympia-Champion Hackl prägten jahrelang den Rodelsport, an der oberbayerischen Kufen-Legende arbeitete sich der akribische Athlet nach oben. "Einmal den Schorsch schlagen, das war anfangs immer mein Traum", erinnerte sich Zöggeler. "Dann bin ich irgendwann zu ihm hingefahren, und es kam die Zeit, wo ich ihn schlagen konnte." Bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City schnappte der Herausforderer dem Altmeister dann Gold weg.

Hackl findet nur lobende Worte für den Dauerrivalen. "Der Armin war einer der angenehmsten Sportkollegen überhaupt", sagte der Oberbayer der dpa, "sein Verhalten war immer vorbildlich und fair, und das macht es einem auch leicht, jemandem den Sieg zu gönnen. Das war eine tolle Lebensleistung, vor der man einfach den Hut ziehen muss." Hackl gegen Zöggeler, der Zweikampf hatte auch den noch jungen Felix Loch einst fasziniert. "An die beiden erinnere ich mich, wie ich vor dem Fernseher gesessen bin", sagte der 25-Jährige.

Keine Kunsteisbahn

Dabei hatte Zöggeler im Gegensatz zu Deutschen und Österreichern sehr viel schwierigere Trainingsbedingungen, bis 2006 besaß Italien keine Kunsteisbahn. Die Olympia-Strecke in Cesana wird inzwischen nicht mehr betrieben, Zöggelers Nachfolger müssen also wieder umständlich im Ausland Bahnen anmieten. Der Altmeister selbst wird künftig im Verband an Material und Entwicklung tüfteln, "das ist wieder ein neuer Reiz", sagte er.
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