Sonderausstellung im Egerlandmuseum
Die ganze Welt im Miniaturformat

Soldaten vor dem Kriegerdenkmal in Marktredwitz sind genauso in die Krippenlandschaften integriert, wie das Alltagsleben der Menschen im 19. und 20 Jahrhundert. Die Krippen sind unterteilt in rein orientalische, klassische Aufbauten und einen Teil, der sich mit Bayern beschäftigt. Bild: Grüner
Lokales
Bayern
05.12.2014
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Für Museumsleiter Volker Dittmar ist ganz klar die Krippe, die Nada Blagajne im KZ aus Papier gebaut hat, das wertvollste Unikat der Sonderausstellung, "Eine Welt im Kleinen - Krippen aus dem Egerland und Marktredwitz". Ein 624-seitiger Katalog vertieft die Präsentation.

Eine Mühle am rauschenden Bach, Prinzregent Luitpold auf der Jagd, Musiker auf einem Leiterwagen, ein Hirsch, der im Schuss zusammenbricht, Kinder beim Spielen oder ein Radfahrer auf dem Bauernmarkt. Keine Artikel aus einem Spielwarengeschäft von anno dazumal, sondern alles Szenen aus Marktredwitzer und Egerländer Krippen. 18 Leihgaben aus öffentlichen Sammlungen aus Deutschland, Österreich und Tschechien sowie 16 Private Leihgaben, die meisten aus Deutschland, komplettieren die Ausstellung, die ansonsten mit Exponaten aus dem Fundus des Egerlandmuseums bestückt ist. Davon allein etwa 1000 Figuren aus der berühmten Schenkl-Sammlung, die insgesamt rund 2400 Exponate umfasst. Um die Leihgaben abzuholen sind die Museumsmitarbeiter rund 20.000 Kilometer gefahren.

Drei Jahre Vorarbeit

Drei Jahre dauerte die Vorarbeit, um das Projekt zu verwirklichen. Die meiste Arbeit hatten Museumsleiter Volker Dittmar und der wissenschaftliche Mitarbeiter, Dr. Robert Grötschel mit der Erstellung des gleichnamigen Katalogs. Der ist so dick wie einstmals der "Quelle-Katalog" und stelle quasi ein Standardwerk zum Thema dar, so der Museumsleiter, der gleichzeitig der Herausgeber ist. Neben ihm und dem wissenschaftlichen Leiter haben weitere 18 Autoren daran mitgewirkt. 2000 professionelle Fotos, teils im Museum, teils im Studio wurden dafür angefertigt. Der Katalog ist zweisprachig (deutsch/tschechisch) und umfasst 624 Seiten.

Weihnachtskrippen haben in Marktredwitz große Bedeutung. In der Weihnachtszeit wird in dieser Richtung heuer ganz besonders viel geboten. Die grenzüberschreitende Krippenausstellung, der traditionelle Krippenweg und die Große Krippe des Künstlers Martin Burchard machen Marktredwitz zur bayerisch-böhmischen Krippenhauptstadt. Bilder von Norbert Grüner



Weihnachtskrippen haben in Marktredwitz große Bedeutung. In der Weihnachtszeit wird in dieser Richtung heuer ganz besonders viel geboten. Die grenzüberschreitende Krippenausstellung, der traditionelle Krippenweg und die Große Krippe des Künstlers Martin Burchard machen Marktredwitz zur bayerisch-böhmischen Krippenhauptstadt.

Selbst der versierteste Sammler wird bei dieser hochkarätigen Präsentation kaum aus dem Staunen herauskommen. Der "Normalbesucher" hingegen bekommt eine hervorragende Einführung in die Krippenkunst und wird sich nur schwer dem Bann der kleinen Figuren aus Holz, Ton oder Papier entziehen können.

Die Präsentation im Egerlandmuseum ist dreigeteilt. Im Sonderausstellungsraum im Untergeschoss sind Egerländer Krippen bis etwa 1945 ausgestellt. Vom 19. bis weit ins 20. Jahrhundert war das Egerland die wohl reichste Krippenlandschaft in Böhmen. Je nach Region, Handwerk und Industrien gab es spezielle Vorlieben für den Krippenbau. In der Ausstellung ist eine große Bandbreite davon zu sehen. Kastenkrippen mit feinsten Miniaturschnitzereien aus Königsberg an der Eger, solche mit Porzellanfiguren aus Elbogen und Schlaggenwald, geschnitzte Krippen aus dem Gebiet um Tachau und viele mehr sind zu bestaunen.

Verschiedenste Materialien

Materialien wie Ton, Tragant und Papier kamen daneben beim Egerländer Krippenbau zum Einsatz. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die Tradition der Egerländer Krippen. Nur wenige Figuren konnten bei der Vertreibung 1945/46 im Gepäck in die neue Heimat mitgenommen werden. Hier bauten die Egerländer dann in der alten Tradition ihre Krippen wieder auf und komplettierten sie.

Diesem Aspekt widmet sich ein weiterer Teil der Ausstellung, der sich gleichzeitig mit dem Marktredwitzer Krippen-Phänomen befasst.. Herzstück dieser musealen Präsentation sind die Tonfiguren des Sammlers Karl Schenkl. Damit wird eindrucksvoll die große Vielfalt der Krippenfiguren aus den Marktredwitzer Werkstätten der Töpferfamilien Meyer und Patz gezeigt. Die ältesten Stücke sind 150 Jahre alt.

In zahlreichen Dioramen sind typische Szenen mit Tonfiguren und Häuserkulissen aus den Marktredwitzer Landschaftskrippen nachgestellt. Original Fundstücke aus der Meyerschen Töpferwerkstatt, wie ein alter Farbkasten oder Figurenvorlagen, geben Aufschluss über ein seltenes und qualitätvolles Marktredwitzer Kunsthandwerk, das über Bayern hinaus seinesgleichen sucht.
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