"Theaterwunder Luisenburg"

Intendant Michael Lerchenberg (rechts) und Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck werfen neugierig einen Blick in das Buch, das eine Hommage an die Luisenburg ist. Bild: Grüner
Lokales
Bayern
31.10.2015
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Der Faszination der gewaltigen Felsenbühne der Luisenburg erliegen sie alle: Die Zuschauer, die jedes Jahr in Scharen kommen, die Schauspieler, die sich der Herausforderung dieser Kulisse stellen. Die Luisenburg feiert in diesem Jahr Jubiläum: Seit 125 Jahren wird zu Füßen der alten Luxburg Theater gespielt.

Das Jubiläum ist Anlass für die Erinnerung an wunderbare Erlebnisse, Anlass auch für einen farbenprächtigen Bildband, der diese Naturbühne feiert, ihre facettenreiche Geschichte dokumentiert und denen ein Denkmal setzt, die dort wirkten und spielten. Das Buch wurde am Donnerstagabend im festlichen Rathaussaal von Wunsiedel vorgestellt von einem zufriedenen Stadtoberhaupt und einem glücklichen Intendanten.

Bürgermeister Karl-Willi Beck nennt den 144 Seiten starken Band eine gelungene Komposition von Fotos und Texten. Beck dankte den vier Autoren, vor allem Intendant Michel Lerchenberg, ohne den das Buch nicht möglich gewesen wäre. Mitgearbeitet haben neben Lerchenberg selbst die Dramaturgin Dr. Bettina Wilts und die Feuilletonisten Eva Maria Fischer und Holger Stiegler.

Beate Kayser kommt in einem einleitenden Beitrag gleich auf den Punkt, wenn sie dieses besondere Luisenburg-Gefühl beschwört und beschreibt, das offensichtlich das Schlüsselerlebnis schlechthin dort oben auf der Felsenbühne ist. Sie berichtet vom Naturschauspiel der Granitfelsen, die sich zu einer mehrstöckigen über 25 Meter hohen Kulisse türmen, charakterisiert die sorgfältige, aber niemals hochgestochene Regie und lobt die Spontaneität des Publikums, das auf der Luisenburg von den Schauspielern als besonders erlebt wird. Hier dürfen sie so spielen, wie sie es sich gewünscht haben. Und sie kommen immer wieder: Die Schauspieler und die Zuschauer, 137 000 sind es in einer Saison.

Goethe als Naturforscher

Für bayerische Volksschauspieler gehört ein Engagement auf der Luisenburg zum Pflichtprogramm, und mancher von ihnen hat sich hier selbst entdeckt. Große Namen stehen unter den Porträts und Szenenfotos: Arthur Brauss, Gerhard Lippert, Maxl Graf, Gustl Bayrhammer, Toni Berger. Auch die Großen der deutschen Theaterlandschaft waren da: Rosel Zech, die unvergessene "Mutter Courage", Diana und Lara Joy Körner, Rainhard Fendrich, Romuald Pekny, Hans Korte, Thekla Carola Wied und viele andere. Auch der große Goethe war da, als Naturforscher zunächst, der jedoch die gewaltigen Eindrucke der Felsenlandschaft auf der Luisenburg in seinem "Faust" mehrfach verarbeitet hat. Wilts hat sich die Mühe gemacht, die Bezüge heraus zu suchen.

Das Buch ist eine einzigartige Dokumentation und mehr als das. Wolfgang Benkhardt, Verlagsleiter des Buch und Kunstverlags Oberpfalz, der den Band herausbrachte, erinnert sich an sein Ersterlebnis auf der Luisenburg, eine Aufführung des Märchens "Hänsel und Gretel". Er spricht von einem Theaterwunder. Diesen Begriff hat er auch in den Titel "Theaterwunder Luisenburg" übernommen, denn die künstlerische Leistung, das Empfinden und Erinnern des Zuschauers und die Wirkung der Natur machen das Wunder aus.

Intendant Michael Lerchenberg, dessen Arbeit und Wirken Holger Stiegler beschreibt, hat sich auf der Suche nach diesen besonderen Geschichten, die einen Theaterbetrieb ausmachen, damit beschäftigt, was passiert, wenn ein Kollege ausfällt. Es sind Missgeschicke, Zufälle, die sich in liebenswerter Weise doch zum Guten wenden und einmal mehr an Schauspieler erinnern, die auf der Luisenburg spielten. Lerchenberg steht für erfolgreiches Volkstheater, das inzwischen die ganze Breite dieses Genres berücksichtigt. Schicksalhaftes, Tragisches haben neben dem Lustspiel einen Platz bekommen.

Musicals große Renner

Erweitert wurde das musikalische Angebot der Festspiele. Als Renner haben sich Musicals erwiesen. Nicht zuletzt eine moderne Bühnentechnik hat solche Aufführungen möglich gemacht. Mit großem Interesse werden die Leser die Entwicklung nach spüren können, die von den verschiedenen Intendanten beeinflusst wurde. Manches Experiment wurde zum überraschenden Erfolg, anderes schlug fehl. Aber das Publikum ist der Luisenburg treu geblieben.

Es ist wohl gelungen, bei der Naturkulisse, die das Wesen dieser Bühne ausmacht, Natürliches und moderne architektonische Aspekte miteinander zu verbinden. Entstanden ist ein großzügiges Ambiente, das nebst vielem anderen inzwischen 1900 Sitzplätze bietet. Man erinnere sich: Die eigentliche Geschichte der Luisenburg vor 125 Jahren hat mit der Bereitstellung von immerhin 1000 Zuschauerplätzen 1860 begonnen, als das "Losburg"-Spiel Menschen aus ganz Bayern ins Fichtelgebirge lockte.

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Das Jubiläumsbuch "Theaterwunder Luisenburg" hat 144 Seiten und ist beim Buch & Kunstverlag Oberpfalz herausgekommen. Es kostet 24,95 Euro.
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