Total high von Dung und Heu

Live immer noch einen draufzusetzen, ist für LaBrassBanda noch nie ein Problem gewesen. Jetzt hat die Band sich einen außergewöhnlichen Auftrittsort und ein ebenso außergewöhnliches Publikum ausgesucht: In einem Kuhstall nahmen sie ihre aktuelle CD "Kiah Royal" auf. Bild: Andreas Richter
Lokales
Bayern
25.09.2014
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Geduldige Kühe statt johlende Menschen. Für das neue Livealbum "Kiah Royal" hat sich LaBrassBanda einen ungewöhnlichen Ort ausgesucht: Die Lieder wurden in einem Kuhstall aufgenommen.

Die Idee für dieses ungewöhnliche Projekt namens "Kiah Royal" kam den neun Mitstreitern von LaBrassBanda im letzten Jahr, als die Formation vom Chiemsee "heftig darüber diskutierte, wie man ein Unplugged-Album aufnehmen kann, dessen Begleitumstände andersartig sein sollten. "Wir hatten all die Monate davor reichlich Stress gehabt, denn wir haben so viele Konzerte wie nie zuvor absolviert, etwa in Bierzelten, uns zudem für den "Eurovision Song-Contest" vorbereitet, wo wir immerhin den 2. Platz einfuhren. Wir waren aufgedreht! Jetzt ging es um Entschleunigung", erklärt Sänger und Trompeter Stefan Dettl ganz unaufgedreht auf dem Balkon eines Mietshauses im Münchner Stadtteil Neuhausen.

Schließlich kam der Neuner auf die Idee mit Aufnahmen in einem Kuhstall. "Das große Muh", lacht der 33-jährige Dettl verschmitzt, "stand ab sofort auf dem Programm! Vier Wochen lang suchten wir nach dem geeigneten Stall, und als wir ihn gefunden hatten, nahmen wir an zwei Tagen die Platte auf. Ziel war es, einige alte und älteres Songs von uns möglichst ruhig und möglichst schön klingen zu lassen. Kühe sind sehr aufgeschlossene, neugierige Zuhörer. Aber mit Krach können sie nichts anfangen. Ich glaube, seit diesen Aufnahmen haben wir einige sensible vierbeinige Fans mehr."

Extrem viel Rücksicht

Auf die Befindlichkeit der neuen "sensiblen vierbeinigen Fans" wurde extrem viel Rücksicht genommen: "Natürlich orientierten wir uns strikt am durchorganisierten Alltag im Kuhstall, bei den Melkzeiten etwa traten wir nicht in Aktion", erzählt Dettl. "Das Domizil der 80 muhenden Bewohnerinnen wurde lediglich dezent verkabelt, die Beleuchtung war minimal. Elektrisch verstärkte Instrumente kamen außer dem Mikrofon überhaupt nicht vor. Wir legten größten Wert darauf, dass im Stall kein Tumult ausbrach oder eine Kuh ausrastet. Jedenfalls haben wir festgestellt, dass Kühe für die Konzentrationsfähigkeit von Künstlern, speziell von Musikern, perfekt sind", grinst Dettl vergnügt. "Nach einer Stunde Aufnahme waren wir total high von der Naturdroge Heu und Dung. Besser als jeder Joint!"

Am ersten Tag der Produktion wurden zunächst die drei "Stargäste" des Albums vors Mikrofon gebeten, die extra für je ein Lied angereist waren: Aus Hamburg kam "Schlager-Punk" Rocko Schamoni, der den Milchspendern sein Anarcho-Evergreen "Der Mond" vortrug. Ex-Biermösl Blosn-Mitstreiter "Stofferl" Well gab passend zum Ambiente den deftig-politischen Milchbauern-Rap "40 Cent" zum Besten. Und schließlich war da noch Neue Deutsche Welle-Ikone und Trio-Mitbegründer Stephan Remmler, der extra aus seinem Domizil Lanzarote eingeflogen wurde und auf LaBrassBanda-Wunsch seinen Mitschunkel-Klassiker "Keine Sterne in Athen" in abgespeckter Version einsang.

"Akustisches Fressen"

Der zweite Tag stand im Zeichen von LaBrassBanda-Evergreens wie "Autobahn", "Bauersbua" oder "Rotes Hoserl". Allerdings war den Umständen entsprechend eher Standkonzert als wildes Punk-Rock-Polka-Getöse wie ansonsten gewohnt bei den wilden Chiemgauern angesagt. "Nach dieser unnachahmlich relaxten Sessions", freut sich Dettl, "ist jegliche Anspannung von uns abgefallen, seither sind die Batterien wieder voll für die nächsten Monate, in denen wir hauptsächlich einmal mehr auf jeder Menge Bühnen sowohl in Hallen wie auch in Bierzelten stehen werden."

Was "Kiah Royal" (Sony Music) neben den Umständen der Produktion einzigartig macht, ist das akustisch hörbare Fressen von Heu, das gelegentliche Schnaufen des "tierischen" Publikums, das - dezente - Durcheinander-Muhen. "Kühe reagieren äußerst krass auf Gefühlsschwankungen, daher wollten wir keine davon aufkommen lassen", meint Dettl. "Trotzdem denke ich nicht, dass unsere Platte langweilig geworden ist. Ländliche Bayern-Dumpfbacken-Klischees wollten wir damit übrigens auch nicht befriedigen."

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LaBrassBanda spielen am 3. Dezember in der Alten Mälzerei in Regensburg. Karten: NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/306230).

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.labrassbanda.com
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