"Verlieren muss man auch können"

Lokales
Bayern
30.09.2014
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Neun Punkte, Platz acht - der FC Augsburg genießt den Blick auf die Tabelle. Die "Momentaufnahme" entspricht exakt derjenigen der vergangenen Überraschungs-Saison. Vergessen ist der Holperstart.

Das große Lamento von Jos Luhukay löste beim siegreichen Markus Weinzierl ungläubiges Kopfschütteln aus. "Verlieren muss man auch können", bemerkte der Trainer des FC Augsburg nach der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem zornigen Niederländer im Anschluss an das 1:0 (1:0) gegen Hertha BSC.

Weinzierls Vorgänger auf der FCA-Trainerbank schimpfte über den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Bastian Dankert, durch den seine Berliner verloren hätten und griff auch Weinzierl und FCA-Manager Stefan Reuter verbal an, weil diese beim vierten Unparteiischen ständig reklamiert hätten. "Ich sehe das anders", entgegnete Weinzierl am Sonntagabend gelassen und genoss nach dem Elfmeter von Kapitän Paul Verhaegh (27. Minute) lieber den Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga: "Der ist für den FC Augsburg am 6. Spieltag sehr schön." Platz acht, besser als teure Spitzenteams wie Wolfsburg (9.), Schalke (10.) oder Borussia Dortmund (12.).

Kühne Prognosen

Auch vor einem Jahr - dem besten der noch jungen Zugehörigkeit des FCA zur Bundesliga - hatten die Schwaben nach sechs Runden neun Punkte auf dem Konto und waren Tabellenachter; wie auch später am Saisonende. Solche kühnen Prognosen mochte nach der mit sechs Zählern sehr erfolgreichen Englischen Woche niemand aufstellen. "Es ist eine schöne Momentaufnahme - grandios! Nach dem holprigen Start sind wir richtig in der Saison angekommen", kommentierte Außenstürmer Tobias Werner.

"Ich habe nach dem zweiten Spieltag nichts auf die Tabelle gegeben - und das tue ich jetzt auch nicht", erklärte Mittelfeldspieler Daniel Baier. Trotzdem war die Erkenntnis wichtig, dass die Augsburger wieder schnell an die Stabilität der Vorsaison anknüpfen konnten. "Für uns war es extrem wichtig, nach den zwei Niederlagen zum Saisonstart anzufangen zu punkten", betonte Manager Reuter. "Zu null zu spielen, war die Basis", betonte Offensivspieler Werner.

Das Kampfspiel gegen die Hertha war "kein Leckerbissen", wie Werner feststellte. Trotz nur eines Tores lieferte sie den Beweis, dass Trainer Weinzierl besonders in der Offensive über mehr personelle Möglichkeiten verfügt. Nikola Djurdjic ersetzte den verletzten Sascha Mölders als Mittelstürmer und verdiente sich ein Extralob seines Trainers: "Der Plan ist aufgegangen. Er war sehr beweglich, immer anspielbar." Dazu sorgte der bullige Raul Bobadilla für viel Druck auf dem rechten Flügel, bis er angeschlagen vom Platz musste. "Ich bin noch nie so viel gelaufen", scherzte Bobadilla, der seine anfangs ungeliebte neue Position langsam "super" findet.

Ein kluger Pass von Djurdjic auf Bobadilla führte auch zur spielentscheidenden Szene, weil Hertha-Keeper Thomas Kraft den Augsburger Angreifer im Strafraum leicht touchierte und zu Fall brachte. "Er hat mein Knie berührt - klarer Elfmeter", urteilte Bobadilla. Luhukay dagegen war "stinksauer", neben dem Elfer missfiel ihm die sehr körperbetonte Spielweise des Gegners. "Es war mir zu viel des Guten", polterte der Niederländer, der gegen seinen Ex-Club nicht gewinnen kann. "Wir waren viel besser als Hertha", lautete dagegen das nachvollziehbare Urteil von Bobadilla.

Eine "Superausgangslage"

Angesichts einer "Superausgangslage", so Mittelfeldspieler Dominik Kohr, können die Augsburger unaufgeregt auf die kommenden Aufgaben blicken. "Wir haben jetzt zwei schwere Auswärtsspiele vor der Brust", mahnte Reuter angesichts der Gegner VfL Wolfsburg und Mainz. Ob Kapitän Verhaegh in Wolfsburg wieder dabei sein kann, muss abgewartet werden. Der Niederländer erlitt bei einem heftigen Zusammenprall mit Hertha-Profi Ronny eine leichte Gehirnerschütterung. "Die Freude über die drei Punkte ist größer als der Brummschädel", übermittelte Verhaegh am Montag.
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