"Vom Isergebirge ins Fichtelgebirge" - Dokumentarfilm bietet Einblick in die Glasproduktion ...
Beeindruckende Geschichten aus der Geschichte

Gäste eines besonderen Vorführung waren (von links) Gudrun Hempel, Helmut Hempel, Weidenbergs Bürgermeister Hans Wittauer, Filmemacher Horst-Peter Wagner, Renate Stiefl und Margaretha Michl. Bild: gis
Lokales
Bayern
13.02.2015
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Dass der Film "Vom Isergebirge ins Fichtelgebirge" bei der Premiere im November im Vortragssaal des Freizeithauses auf so starkes Interesse stieß, hat auch Obmann und stellvertretenen Kreisvorsitzenden der Sudentendeutschen Landsmannschaft, Helmut Hempel, überrascht und gefreut. Brechend voll war der Saal, weshalb der Verband zu einer Wiederholung eingeladen hatte: Erneut mit großem Erfolg. Die Besucher kamen aus der ganzen Region.

Die überaus beeindruckende Dokumentation von Horst-Peter Wagner und Renate Stiefl in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft bietet einen Einblick in die Geschichte der Glasproduktion, vor allem Warmensteinachs, und erzählt von heimatvertriebenen Glas- und Schmuckfachleuten, deren Pionierleistungen beim Wiederaufbau und zeigt, was sich bis heute erhalten und verändert hat.

Schwerpunkt des Films ist der Zeitzeugenbericht der fast 95-jährigen Landsmännin Maria Seidel, dessen Vorarbeit sich, von Achtsam- und Behutsamkeit begleitet, über zwei Jahre hinzog. So erzählte sie von ihrem bereits verstorbenen Ehemann Ernst Seidel, einem der bekanntesten Gablonzer Gürtlermeister, vermittelte einen Einblick in die Gablonzer Glas- und Bijouterie-Herstellung der alten und der neuen Heimat. Von der Ansiedlung der Gablonzer und Isergebirgler in Warmensteinach und Umgebung berichtete sie, über das Zusammenleben mit den jüdischen Mitbürgern in Gablonz, von optimaler Berufsausbildung, großer Bautätigkeit, dass dort auch echter Gold- und Silberschmuck hergestellt wurde, es bereits eine Straßenbahn gab und vieles mehr. Helmut Hempel, selbst noch im Isergebirge geboren und Neffe von Rudolf Schöbel, des ersten Gablonzers in Warmensteinach, ergänzte die Erinnerungen von Maria Seidel, die bei der zweiten Vorführung nicht dabei konnte. Seltene Filmaufnahmen, noch nie gezeigte Bilder und Dokumente, Vergessenes, von den beiden Filmemachern nach intensivem Suchen wieder entdeckt und mit viel Mühe zusammengetragen, bereichern die Dokumentation - zudem einige der wichtigsten Exponate des örtlichen Glasmuseums, wo unter anderem auch die wunderbaren Gürtlerarbeiten von Ernst Seidel ausgestellt sind. Flucht und Vertreibung sind gerade jetzt wieder ein Thema. Vor fast 70 Jahren kamen die ersten Vertriebenen im Raum Bayreuth an, insgesamt fast 40 000 Personen. Man musste zusammenrücken und tat es auch, rückblickend ein großer Gewinn.

Und wer kann die schicksalshafte Geschichte besser erzählen, als diejenigen, die sie erlebt haben. Die Chancen, sie hautnah zu erfahren, werden immer geringer, sagt SL-Kreisvorsitzende Margaretha Michl, die auch die zweite Filmvorführung mitverfolgte, und ebenso, wie Helmut Hempel, mit wissenswerten Infos ergänzte. Einer alten Weisheit zufolge kann nur der die Zukunft meistern, der die Vergangenheit kennt.
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