Wenn Arterien ausleiern

Man schätzt, dass bereits etwa 70 Prozent der Frauen zwischen 17 und 40 Jahren Symptome aufweisen.
Lokales
Bayern
22.10.2014
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Arterien und Venen, die das Blut durch den Körper transportieren, bereiten vielen Menschen mit zunehmendem Alter Probleme. Deshalb waren die Vorträge in beiden Häusern des Klinikums Fichtelgebirge hervorragend besucht.

Anschaulich erläuterte Chefarzt Dr. Mohsen Farsijani die Folgen "Alternder Gefäße". Auch informierte er über Behandlungsmöglichkeiten und beantwortete Fragen aus dem Publikum.

Im ersten Teil seines Vortrags befasste sich Dr. Farsijani mit den Arterien, genauer mit der Arteriellen Verschlusskrankheit ("AVK"), von der Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Als Hauptursache sei die Arteriosklerose, umgangssprachlich "Arterienverkalkung" zu nennen, die eine Verengung oder sogar den Verschluss der betroffenen Gefäße nach sich zieht. Die Risikofaktoren seien Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Blutfette, Diabetes und Übergewicht, wobei heute mehr Wert auf regelmäßige Bewegung als auf Gewichtsverringerung gelegt werde. Eine einfache Untersuchung gebe Aufschluss darüber, ob zum Beispiel noch genug Blut in die unteren Extremitäten gelange: Der Blutdruck an Arm und Knöchel entspreche sich im Idealfall 1:1. Bei einem Knöchel-Arm-Wert von unter 0,9 bestehe bereits ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Besonders tückisch, so der Referent, sei der Verschluss der Halsschlagader, der meist keine Beschwerden verursache, bis es zu spät sei: "Das sind dann die Menschen, die einfach umfallen." Leider würden die gesetzlichen Krankenkassen die mitunter lebensrettende Ultraschalluntersuchung nicht als Vorsorgeleistung übernehmen.

Bypass

Behandeln könne man verengte oder verschlossene Arterien mit Medikamenten, man könne sie mit Ballon oder Stent aufdehnen oder mit einem Bypass umgehen. Mit der sogenannten "Lyse" würde man Blutgerinnsel medikamentös auflösen.

"Gefäße können aber auch erweitert, sozusagen ausgeleiert sein", erklärte der Chefarzt. Wenn ein solches "Aneurysma" zum Beispiel der Bauchschlagader platzt, sei das in 80 Prozent der Fälle tödlich. Auch hier wäre die Diagnose mittels einer Ultraschalluntersuchung eigentlich leicht zu stellen. Nicht zu kurz kamen im Vortrag die Venen, die bei vielen Menschen als "Krampfadern" in Erscheinung treten, wobei davon Frauen häufiger als Männer betroffen sind. "Man schätzt, dass bereits etwa 70 Prozent der Frauen zwischen 17 und 40 Jahren Symptome aufweisen", so Dr. Farsijani. Durch angeborene Bindegewebsschwäche würden immer mehr Venenklappen nicht richtig schließen, das Blut werde nicht mehr vollständig nach oben gepumpt und versacke in den Beinen. Dort behindere es die benachbarte Arterie, die das mit Nährstoffen angereicherte Blut bringen will. Das umliegende Gewebe werde dadurch mangelernährt. So entstünde eigentlich nur durch eine lokale Durchblutungsstörung ein Krampfaderleiden, das von Schweregefühl über Wadenkrämpfe, Juckreiz, Hautverfärbung bis hin zum offenen Bein reiche.

Zahlreiche konservative Behandlungsmethoden stünden bei kranken Venen zur Verfügung: Kompression, tonisierende (kräftigende) Medikamente, Sport. Allerdings könne dadurch keine Heilung erzielt werden und das Thromboserisiko bleibe bestehen. Deshalb würden sich viele Patienten trotz geringer Beschwerden für einen Eingriff entscheiden: Je nach Indikation rate der behandelnde Arzt zum Beispiel zum klassischen "Venen-Stripping", zur Verödung oder zu einer Lasertherapie.

"Bewegen, bewegen"

Wie so oft, mahnte Dr. Farsijani, könne der Patient auch für seine Gefäßgesundheit vieles selbst tun: mit dem Rauchen aufhören, Blutdruck, Blutfette und Blutzucker überwachen beziehungsweise einstellen lassen und "bewegen, bewegen, bewegen!"
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