Wenn die "Stoßdämpfer" schmerzen

Eine sehr schmerzhafte Angelegenheit und ein Leiden, das nicht heilbar ist.
Lokales
Bayern
23.04.2015
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"Wir alle werden unter Arthrose leiden, wir müssen nur alt genug werden", so Raymund Bay, Chefarzt der Unfallchirurgie am Klinikum Fichtelgebirge. Er referierte zum Thema "Arthrose - eine Volkskrankheit".

Es beginne immer mit einem Knorpelschaden, erläuterte Raymund Bay, wobei die Knorpelschicht allmählich zerstört werde, "bis im Endstadium schließlich Knochen auf Knochen trifft - eine sehr schmerzhafte Angelegenheit und ein Leiden, das nicht heilbar ist". Es komme zu Schmerzen, Verformungen, Schwellungen sowie Bewegungs- und Funktionseinschränkungen, führte der Chefarzt der Unfallchirurgie und des Endoprothetischen Zentrums am Klinikum Fichtelgebirge aus. Das Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit sei es, das die Gelenke, diese beweglichen Verbindungen und "Stoßdämpfer" zwischen den Knochen, kaputt mache. "In Deutschland leiden 40 Prozent der 60-Jährigen an Arthrose. Fast die Hälfte der 35-Jährigen hat bereits einen Schaden an der Schulter."

Die Risikofaktoren seien weibliches Geschlecht, hohes Alter, starke berufliche Belastung oder Übergewicht, wusste der Chefarzt. Als mögliche direkte Ursachen seien Fehlstellungen, Bewegungsmangel, Entzündung oder Durchblutungsstörung des Gelenks zu nennen. Als typisch bezeichnete der Referent den Belastungsschmerz und das "Sich-Einlaufen-Müssen" nach dem Aufstehen, mit dem die Gelenkarthrose sich übrigens gut von einer rheumatischen Erkrankung unterscheiden lasse.

Sogar in Ruhe Qualen

Ist die Abnützung des Gelenks schon weit fortgeschritten, schmerze es auch im Ruhezustand. Überhaupt sei das individuelle Schmerzempfinden ausschlaggebend. "Man darf niemals nach dem Röntgenbild operieren - manche Patienten haben eine ausgeprägte Arthrose, aber keine großen Schmerzen."

Am Anfang einer Diagnose stünden ohnehin immer das ausführliche Gespräch mit dem Betroffenen und eine klinische Untersuchung. Erst wenn das Röntgenbild nicht weiterhelfe, seien die Kernspintomographie oder die Computertomographie die nächsten Verfahren. Als weitere Möglichkeit stehe noch die Gelenkspiegelung zur Wahl. Wie kann dem Arthrosepatienten geholfen werden? Ist die Erkrankung noch in einem frühen Stadium, würden allgemeine Maßnahmen wie Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Bewegung, Tabletten, Salben oder auch Kneipp-Anwendungen gut helfen, führte Raymund Bay aus. Eine Operation sei immer die letzte Maßnahme - schließlich gebe es noch keine Prothese, die dauerhaft halte. Mittlerweile seien circa 15 Jahre Haltbarkeit erreicht; viele Kunstgelenke würden jedoch schon eher Probleme machen.

Knochenerhalt

Die sorgfältige Planung, die Infektionsprophylaxe und die optimale Platzierung durch moderne Computernavigation würden eventuelle Komplikationen bei einer Operation vermeiden helfen. Über den Erfolg des Eingriffs, bei dem grundsätzlich so viel wie möglich vom Knochen erhalten bleiben soll, entscheide natürlich auch die Erfahrung des Operateurs. Für Kliniken sei zum Beispiel bereits die Mindestanzahl von 50 Knieoperationen pro Jahr vorgeschrieben. Wann operiert wird, signalisiere letztendlich der Patient. "Der Zeitpunkt ist da, wenn jemand sagt, er hält es so nicht mehr aus."
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