Wenn Knochen auf Knochen trifft

Es wird nicht nach Röntgenbild entschieden, sondern danach, wie groß die Schmerzen sind.
Lokales
Bayern
13.10.2014
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Gelenke verschleißen, Schmerzen sind die Folge. Was die moderne Chirurgie hier leisten kann und wie lange eine Endoprothese hält, erläuterten nun Chefarzt Raymund Bay und Dr. Heino Arnold.

Raymund Bay, Leiter des Endoprothetischen Zentrums, und Dr. Heino Arnold von der Orthopädisch-unfallchirurgischen Praxisklinik Rehau referierten in den Häusern Marktredwitz und Selb des Klinikums Fichtelgebirge.

Von der Arthrose spreche man schon lange als Volkskrankheit, so Chefarzt Bay. Die Knorpelschicht werde allmählich zerstört, bis im Endstadium schließlich Knochen auf Knochen trifft - eine sehr schmerzhafte Angelegenheit und ein Leiden, das nicht heilbar ist. Es komme zu Schmerzen, Verformungen, Schwellungen sowie Bewegungs- und Funktionseinschränkungen. Wenn alle konservativen Maßnahmen von Kälte- und Wärmeanwendungen bis zur Gewichtsabnahme nichts mehr nützen, müsse man eine Operation in Erwägung ziehen: "Dabei wird nicht nach Röntgenbild entschieden, sondern danach, wie groß die Schmerzen sind." Sorgfältiges Abwägen sei wichtig: Zwar sei eine Operation immer ein ernsthafter Eingriff, aber ein kaputtes Gelenk erhöhe im Alter das Sturzrisiko beträchtlich.

Insgesamt würden in Deutschland jährlich 400 000 Endoprothesen eingesetzt; ein Kunstgelenk schlage mit etwa 25 000 Euro zu Buche. Grundsätzlich gelte: "Soviel Knochensubstanz wie möglich erhalten!" Die sorgfältige Planung, die Infektionsprophylaxe, die optimale Platzierung durch moderne Computernavigation minimiere nachfolgende Komplikationen. Dr. Heino Arnold widmete sich der Frage: "Welches Kunstgelenk hält wirklich lange?" Er gab einen Überblick über verschiedene Modelle. Bei Knieprothesen gebe es zwei unterschiedliche Prinzipien: die Schlittenprothese oder gekoppelte Schaftsysteme, wobei letztere wegen der tiefen Verankerung mit relativ viel Knochenverlust einhergingen.

Für die Hüfte gebe es sogar drei verschiedene Modelle, die Oberflächenersatzprothese, die Kurzschaft- und die Langschaftprothese. Für die Schulter stünden bei begrenztem Verschleiß die sogenannte Kappenprothese, als Standard der Ersatz von Pfanne und Kugel und die inverte Schulterprothese (vor allem bei Sehnendefekten) zur Verfügung. Ein kaputtes Sprunggelenk habe man früher immer versteift; seit Jahren gebe es jedoch auch dafür ein Kunstgelenk.

12 bis 15 Jahre

Bei der Haltbarkeit, so Dr. Arnold, bestünden große Unterschiede. Hüftgelenke könnten etwa 12 bis 15 Jahre und damit länger im Körper verweilen als zum Beispiel Kniegelenke. Bei allen Endoprothesen sei das Bewegungsausmaß geringer als beim eigenen Gelenk. Und: "Regelmäßige Nachsorge in jährlichem Abstand ist für einen Patienten mit einem Kunstgelenk Pflicht."
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