WFW-Schweißtechnik GmbH entwickelt erste mobile Anlage weltweit - Ab Juli Pilotbetrieb
Biogas-Tiger setzt zum Sprung an

Die Standorte für Biogas-Großanlagen sind erschöpft, weshalb die kleinen, dezentralen Anlagen, die meist besser in die Umgebung passen, sehr gefragt sind.
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Während sich im Bundestag Regierung und Opposition über den Netzausbau zur Nutzung erneuerbarer Energien streiten, fertigt die Firma WFW-Schweißtechnik GmbH in Ebnath (Landkreis Tirschenreuth) eine dezentrale, mobile Alternative zu bestehenden Anlagen. Das Projekt namens Biogas-Tiger ist das Produkt einer Fichtelgebirgs-Allianz, die den ländlichen Raum stärken soll.

Der Biogas-Tiger entsteht bei der WFW-Schweißtechnik GmbH, ein Tochterunternehmen der Fickert und Winterling GmbH aus Marktredwitz, in Ebnath. Die Planung, Steuerung und Entwicklung findet in Marktredwitz statt, während sich in Arzberg, auf dem Gelände der Bioenergie Sechsämterland GmbH, die Testanlage befindet.

Produktives Miteinander

Auf diese Tatsache legen die Verantwortlichen um Erfinder Pierre Haider aus Pullenreuth (Kreis Tirschenreuth) großen Wert: Beim Biogas-Tiger handelt es sich nicht um das Produkt eines einzelnen Unternehmens, vielmehr steht ein Zusammenschluss regionaler Partner aus dem Fichtelgebirge dahinter. "Durch das Projekt wird die Wirtschaftskraft der Region gefördert - und zwischen der Oberpfalz und Oberfranken gibt es ein produktives Miteinander", sagt Josef Wartinger.

Politik unterstützt

Zu diesem Verbundvorhaben stößt demnächst noch ein weiterer Partner aus Tirschenreuth, weshalb sich die Verantwortlichen eine regionale Wertschätzung sowie eine Belebung des Fichtelgebirges erhoffen. Auch Politiker der Region unterstützen den Biogas-Tiger in der Hoffnung auf zahlreiche Arbeitsplätze. Zudem fördert der bayerische Wirtschaftsfonds das auf drei Jahre angelegte Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro mit 50 Prozent.
Der Biogas-Tiger zielt auf kleine landwirtschaftliche Hofanlagen mit einer Leistung von 40 bis 75 Kilowatt und kommunale Anlagen zur Verwertung von Bioabfällen und Grünschnitt sowie Anlagen in der Lebensmittelindustrie. Vorrangig soll der Tiger regional und bayernweit vertrieben werden, doch es liegen bereits Anfragen aus ganz Deutschland vor. Zudem haben sich Interessenten aus Italien und Südamerika gemeldet, was die Verantwortlichen in ihrem Vorhaben schnell bestärkte.

Das Forschungsprojekt Biogas-Tiger zeichnet sich durch ein modernes und mobiles Baukastensystem aus, das komplett transportabel ist und keinerlei Betonbehälter integriert. Ein Novum - weltweit. Bei den konventionellen Anlagen sei es bisher so, dass sich der gesamte Hof nach der Biogasanlage und deren Rohstoffbedarf richten müsse.

Das gilt auch für die Finanzierung. Nach der Entscheidung für die Investition sei der Landwirt über Jahrzehnte an die Anlage gebunden. Der Tiger hingegen könne wieder verkauft und andernorts aufgestellt werden, wenn sich beispielsweise die Ausrichtung des Hofs ändere. Diese Insellösungen anstelle eines aufwendigen Netzes sollen die dezentrale Ausrichtung erneuerbarer Energien betonen.
In einem dazugehörigen Blockheizkraftwerk wird das Biogas in Strom und Wärme umgewandelt und so etwa für die regionale Stromproduktion speicherbar. Andere Energien sind hier noch nicht so ausgereift. Eine höhere Faulraumbelastung und den Einsatz von Substraten mit hohen Trockensubstanzgehalten bezeichnet Pierre Haider als große Vorteile seiner Erfindung. Darüber hinaus werden die Substrate im Fermenter (Gärbehälter) besser durchgemischt, es bilden sich keinerlei Schwimm- und Sinkschichten, der elektrische und thermische Eigenenergiebedarf ist sehr gering.

Weitere Projekte geplant

Im Juli soll die Pilotanlage in Bergnersreuth bei Arzberg in Betrieb gehen. Für die Zeit danach sind bereits weitere Projekte in Planung. Laut Haider sind die Standorte für Biogas-Großanlagen erschöpft, weshalb die kleinen, dezentralen Anlagen, die meist besser in die Umgebung passen, sehr gefragt sind. Mit dieser Idee erhoffen sich die Betreiber eine Stärkung der regionalen mittelständischen Unternehmen, die oftmals neben den bekannten Branchengrößen untergehen.
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