Wie Bakterien zur Gefahr werden

Das Hygieneteam des Klinikums Fichtelgebirge informierte in der Reihe "Treffpunkt Klinikum" über multiresistente Keime. Im Bild von links Heike Aßmann, Joachim Hopp, Petra Heinzmann und Ralph Grottenmüller.
Lokales
Bayern
04.07.2015
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Mit einem ganzen Kilogramm schlagen die Bakterien zu Buche, die jeder Mensch mit sich herumträgt - freundliche Wegbegleiter meistens, die eine wichtige Rolle für Stoffwechsel und Immunsystem spielen. Doch es gibt auch äußerst gefährliche Bakterien, wie ein Vortrag im Klinikum zeigte.

Im Blickpunkt standen Erreger, die der Medizin zunehmend Sorgen bereiten: "multiresistenten Keime". Informationen lieferten in Selb und Marktredwitz das Hygieneteam des Klinikums Fichtelgebirge, Fachärztin Heike Aßmann sowie die Hygienefachkräfte Joachim Hopp, Ralph Grottenmüller und Petra Heinzmann.

Was bedeutet "Resistenz" eigentlich? "Das Bakterium hat sich so verändert, dass bestimmte Antibiotika nicht mehr wirken können. Das berühmte Schloss-Schlüssel-Prinzip funktioniert nicht mehr", erläuterte Heike Aßmann. Dabei müsse man sorgfältig unterscheiden: Eine Kolonisation mit einem solchen Keim allein mache noch nicht krank. Erst wenn er sich im Organismus an Stellen einniste, an die er nicht gehöre, werde es gefährlich. Typische Erkrankungen seien dann zum Beispiel Wundinfektion, Lungenentzündung oder Harnwegsinfekte. Aßmann erläuterte drei Gruppen multiresistenter Erreger, um die es vor allem gehe: Mit MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), einem Erreger in der Nasen-Rachen-Flora seien etwa zwei Prozent der Bevölkerung besiedelt. Eine immer bedeutendere Rolle spiele der sogenannte LA-MRSA (Livestock-assoziierter Methicillin-resistente Staphylococcus aureus), der aus der Massentierhaltung komme und sehr leicht auf den Menschen übertragen werde. "Nicht umsonst fordert man mittlerweile dringend, die unmäßigen Antibiotikagaben in der Tiermast zu stoppen." Eine weitere Gruppe, MRGN (Mehrfach resistente gram-negative Bakterien), würde sich nicht ganz so leicht wie MRSA übertragen, habe sich jedoch in den letzten Jahren weltweit sehr verbreitet. Die Bekämpfung sei schwierig, da die Bakterien aus der Darmflora kommen, die ja nicht komplett zerstört werden dürfe. Mit VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) sei etwa ein Prozent der Bevölkerung besiedelt. Diese Erreger würden zwar eher selten Infektionen verursachen; man fürchte sich jedoch davor, dass sie einmal ihre Resistenz gegen das kostbare Reserveantibiotikum Vancomycin an andere Gruppen weitergeben könnten. Joachim Hopp ging auf die Maßnahmen ein, die im Klinikum Fichtelgebirge ergriffen werden, um im Fall der Fälle multiresistente Erreger einzudämmen und ihre Verbreitung zu verhindern. "Befolgen Sie die Anweisungen und tragen Sie bei Besuchen Kittel, Handschuhe und Mundschutz!" Am wichtigsten sei gründliche Händedesinfektion, nicht nur im Krankenhaus, sondern auch daheim. Auch Mitarbeiter von weiterbehandelnden Berufsgruppen wie ambulante Pflegekräfte oder Physiotherapeuten sollten auf jeden Fall informiert werden, wenn ein Patient von einem multiresistenten Keim besiedelt sei.
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