"Zeit ist Hirn" beim Schlaganfall

Dr. Tobias Schindler. Bild: hfz
Lokales
Bayern
05.03.2015
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Jeder hofft auf schnelle Hilfe, wenn die eigene Gesundheit bedroht ist. Doch viele haben Angst davor, selbst bei anderen eingreifen zu müssen. "Keine Panik", beruhigt ein erfahrener Notarzt und gibt Tipps.

Um lebensbedrohliche Notfälle und rasches, effektives Handeln des medizinischen Laien ging es im Vortrag aus der Reihe "Treffpunkt Klinikum". Dr. Tobias Schindler, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Fichtelgebirge und regelmäßig als Notarzt im Einsatz, freute sich in den beiden Häusern Selb und Marktredwitz über viel aufmerksames Publikum.

Vor den medizinischen Informationen stand der Notruf selbst. "Trotz Nervosität kühlen Kopf bewahren und ein paar wichtige Verhaltensmaßregeln beachten", riet der Arzt (siehe Info-Kasten). Dann könne die Rettungsleitstelle optimal reagieren.

Bei der Schilderung verschiedener lebensbedrohlicher Situationen begann der Referent mit dem Schlaganfall. Dass man dabei zwischen dem häufigeren Blutgerinnsel (80 Prozent) und der selteneren Gehirnblutung unterscheidet, war den meisten Zuhörern bekannt. Der Mediziner erläuterte ausführlich die Symptome und betonte: "Zeit ist Hirn!" Schnelle ärztliche Hilfe sei gerade hier das A und O. Während eine Lungenembolie ebenso plötzlich auftrete, würden sich eine Lungenentzündung, das Lungenödem, Magen-Darm-Blutungen oder auch die Zuckerentgleisung bei Diabetikern über einen gewissen Zeitraum entwickeln. Das könne aber genauso lebensbedrohlich sein, wenn nichts unternommen wird. "Eine sogenannte Blutdruckkrise mit Werten über 200 stellt eine extreme Belastung dar und birgt immer das Risiko eines Herzinfarkts", sagte Dr. Schindler.

Bei Vergiftungen, ob unabsichtlich, wie es häufig bei Kindern der Fall sei, oder bei Suizidversuchen, sei ein möglichst genauer Notruf wichtig: Was wurde geschluckt, in welcher Menge und wann? Ausführlich erläuterte der Arzt die Reanimierung bei Herzstillstand. Diese lebensrettende Maßnahme werde immer noch viel zu häufig aus Unsicherheit unterlassen, und zwar in sieben von zehn Fällen. Dabei sei auch hier Schnelligkeit ausschlaggebend: "Wenn innerhalb der ersten Minute reanimiert wird, kommen 90 Prozent der Patienten ohne bleibende Schäden davon. Mit jeder weiteren Minute Untätigkeit reduziert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 Prozent."

Dabei könne jeder, wirklich jeder, eine Wiederbelebung durchführen. Die vor Jahren gelehrte Methode mit dem Wechsel zwischen Druckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung sei längst durch die Fokussierung auf die Druckmassage abgelöst. Im Zweifelsfall würde sie auch alleine ausreichen. "Drücke so tief und so schnell wie möglich in der Mitte des Brustkorbs!" laute das Credo, und zwar ohne Pause, bis der Rettungsdienst übernimmt. Möglicherweise erleide der Reanimierte dabei einen Rippenbruch, doch gar nichts zu tun, ende ungleich dramatischer.

Keine Scheu sollten die Helfer auch vor dem Einsatz von Defibrillatoren haben, um bei einem Herzstillstand zu retten. Bei diesen öffentlich zugänglichen Geräten analysiere ein Computer die Herztätigkeit und gebe dem Ersthelfer unmissverständliche Anweisungen. "Wer schnelle Hilfe im Notfall erwartet, sollte auch bereit sein, selbst zu helfen", appellierte Dr. Schindler. Seine Zuhörer fühlten sich nach dem Vortrag gut gerüstet.
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