Zeppelin mit Scherdel-Federn

Mit Qualitätsfedern von Scherdel fuhren Rennpiloten wie Werner Haas, Hermann Paul Müller und Rupert Hollhaus auf ihren Rennfox "Blauwal" zahlreiche Siege ein. Bild: privat
Lokales
Bayern
18.03.2015
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Einer der Hingucker in der Ausstellung ist sicher die "Blauwal", ein legendäres NSU-Rennmotorrad. In der Rennfox, mit der Deutschland sogar einen Weltmeistertitel holte, steckte Scherdel-Technik.

Das Familien-Unternehmen Scherdel feiert heuer das 125-jährige Bestehen. Das Fichtelgebirgsmuseum widmet ihm vom 21. März bis 6. September eine Sonderausstellung. "Scherdel - 125 Jahre Fortschritt aus Tradition". Die Schirmherrschaft hat Wirtschaftsministerin Ilse Aigner übernommen.

In der abwechslungsreichen Geschichte des Hauses Scherdel haben Kreativität, Innovationsbereitschaft und Qualitätsstreben stets eine herausragende Rolle gespielt, heißt es in einem Begleittext des Fichtelgebirgsmuseums zur Sonderausstellung. "Die Unternehmensleiter entstammen als geschäftsführende Gesellschafter bis heute traditionell der Familie des Gründers Sigmund Scherdel." Er gründete im Jahr 1890 zusammen mit seiner Ehefrau Margarete und dem Ingenieur Friedrich Weiß in Marktredwitz die Drahtzieherei Scherdel & Weiß. An die erfolgreiche Produktion von Klaviersaiten schloss sich schon bald die Weiterverarbeitung der Federstahldrähte zu Speichen, biegsamen Wellen, Zug-, Druck- und Drehfedern an. Als Rudolf Diesel nur wenige Jahre später am ersten Dieselmotor der Welt experimentierte, nutzte er Federn von Scherdel, die bereits zu dieser Zeit einen exzellenten Ruf hatten. Da besonders die Automobilindustrie für eine starke Nachfrage sorgte, setzte die Firma bereits 1915 erste automatische Fertigungsanlagen ein. Nicht nur Diesel setzte auf Scherdel-Technik. Auch im Luftschiff Zeppelin waren Scherdel-Ventilfedern verbaut. Gleiches galt für die NSU-Rennfox "Blauwal".

80 Prozent Marktanteil

Der stete technologische Vorsprung sicherte dem Familienunternehmen im Jahr 1940 bei wichtigen Federn für die Fahrzeug- und Flugindustrie im Deutschen Reich einen Marktanteil von 80 Prozent. Die Gründersöhne Rudi, Max und Bernhard Scherdel leiteten lange Jahre die Geschicke des Unternehmens, zuletzt Rudi Scherdel allein, bis zu seinem Tod im Jahr 1961. Ihm folgte Walter Bach, ein Enkel des Firmengründers.

Schrittweise und mit viel unternehmerischer Weisheit wurde die Produktpalette erweitert und vermehrt ins Ausland exportiert. Infolge dessen entstanden neue Werke in Deutschland, wie etwa in Marktredwitz-Friedau. Die internationale Ausrichtung des Familienunternehmens begann 1985 mit der Beteiligung am französischen Federnhersteller Herckelbout-Dawson S.A. In der Zwischenzeit sind Standorte in Nord- und Südamerika, China, Japan und Osteuropa dazugekommen. Die Internationalisierung der Scherdel-Gruppe ist jedoch keinesfalls abgeschlossen, wie der Ausbau der Standorte in China und Mexiko aktuell zeigt. Aber auch innerhalb Deutschlands blieb das Unternehmen nicht untätig. Laut einer Pressemitteilung war 1991 die Übernahme des Federnwerks Marienberg ein wichtiger Meilenstein. Durch enormen persönlichen Einsatz und unternehmerische Risikobereitschaft habe sich das Werk, das bis dahin völlig einseitig auf die Versorgung des DDR-Marktes ausgerichtet war, am gesamtdeutschen Markt etablieren können. In Marienberg konnten 600 Arbeitsplätze gesichert werden. Dies sei vor allem dem Einsatz von Walter Bach, Joachim Zaumseil und Herbert Makosch, dem alten und neuen Werksleiter, zu verdanken.

Forschungszentrum

Um den Herausforderungen der Zukunft innovativ entgegentreten zu können, erfolgte 2008 die Einweihung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums. Dort arbeitet ein 250 Mitarbeiter starkes Entwicklungsteam unter anderem in den Bereichen E-Mobilität, Energieeffizienz und Medizintechnik.
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