80 000 Wohnungen nötig

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Bayern
12.08.2015
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Schon vor dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen wurden in Deutschland zu wenig Wohnungen gebaut. Der Städtetag fordert nun eine Kraftanstrengung.

Der bayerische Städtetagspräsident Ulrich Maly (SPD) hält den Bau von bundesweit jährlich 80 000 Wohnungen für notwendig, um Konkurrenz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen um bezahlbaren Wohnraum zu verhindern. Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland müsse um 25 bis 30 Prozent gesteigert werden, sagte der Nürnberger Oberbürgermeister am Dienstag in München - "jährlich wiederkehrend natürlich".

Die Grundlage für Malys Rechnung: Im Schnitt könnten etwa 40 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland bleiben. In diesem Jahr rechnet der Vizepräsident des Deutschen Städtetags mit etwa 240 000 Neuankömmlingen. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße von drei Personen wären dann 80 000 neue Wohnungen nötig. Maly forderte daher eine Verdopplung der Investitionen von Bund und Ländern in den Wohnungsbau - von derzeit etwa 1,5 auf 3 Milliarden Euro. Der Vizechef des Deutschen Städtetags betonte, dass keine Ghettos gebaut werden sollten und es keine höheren Zuschüsse speziell für Flüchtlingswohnungen geben solle: "keine Sonderimmobilien, keine Sondertöpfe".

Momentan liege die mediale Aufmerksamkeit sehr bei den Erstunterkünften für neu ankommende Asylbewerber. "In Wirklichkeit ist das nur die Spitze des Eisbergs", sagte Maly. Die größere Herausforderung bestehe darin, die Voraussetzungen für die langfristige Integration der Flüchtlinge zu schaffen, die auch tatsächlich in Deutschland bleiben werden.

Maly glaubt nicht, dass die hohe Zahl der Flüchtlinge Deutschlands Kommunen vor unüberwindbare Herausforderungen stellt: "Die Städte haben mehrfach in der Geschichte bewiesen, dass sie integrieren können", sagte der SPD-Politiker. Als Beispiele nannte er die Integration von Gastarbeitern und Spätaussiedlern von den sechziger bis in die neunziger Jahre.

Warnhinweis auf Facebook

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat unterdessen seit Dienstag auf Facebook in der Balkanregion Anzeigen geschaltet. Darin rät Bamf-Präsident Manfred Schmidt den Menschen davon ab, nach Deutschland zu fliehen. 99,8 Prozent der Asylanträge von Flüchtlingen aus den Balkanländern würden abgelehnt. Die Anzeigen sind auf Serbisch und Albanisch und sollen eine Woche lang online sein. Mit den Anzeigen will das Bundesamt die Zahl der Asylbewerber aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien, Mazedonien und Montenegro verringern. Im ersten Halbjahr 2015 zählte das Bundesamt rund 80 000 Asylanträge von dort.
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