Acht- oder neunjähriges Gymnasium
Schulen sollen frei entscheiden

"Alles für alle gedoppelt ist nicht darstellbar." Zitat: Kultusminister Ludwig Spaenle
Politik BY
Bayern
02.08.2016
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In Bayern wird es künftig acht- und neunjährige Gymnasien geben. So viel steht fest. Mit den Details tut sich Kultusminister Ludwig Spaenle aber immer noch schwer. "Alles für alle" wird es nicht geben.

Von Jürgen Umlauft

München. Die Staatsregierung hält grundsätzlich am achtjährigen Gymnasium (G8) fest, will den einzelnen Schulen aber die Möglichkeit geben, auf eine längere Lernzeit von neun Jahren bis zum Abitur umzusteigen. Der neue, für das G8 konzipierte "Lehrplan plus" wird deshalb wie geplant zum Schuljahr 2017/18 in Kraft treten. Für Gymnasien, die auf die neunjährige Form umsteigen wollen, wird es ergänzende Handreichungen geben. Das kündigte Kultusminister Ludwig Spaenle in München an.

Startschuss für die G9-Modelle soll das Schuljahr 2018/19 sein. Schüler, die bis dahin am G8 eingeschult sind, sollen diese Form auch bis zum Abitur durchziehen. Spaenle erklärte, mit dieser Grundsatzentscheidung des Ministerrats könnten die Schulen ihr Angebot am "Bedarf der Schülerschaft vor Ort ausrichten". "Unterschiedliche Standorte in der Bildungslandschaft brauchen auch unterschiedliche Antworten", sagte er. Damit könne jede Schule individuell ihre Profilierungen und Schwerpunktsetzungen einbringen.

"Eine einheitliche Lösung von Hof bis Lindau mag auf den ersten Blick angenehmer sein, aber individuelle Lösungen sind besser", betonte Spaenle. Allerdings werde das G9 dann bayernweit einheitlich umgesetzt. Eine Parallelführung von G8 und G9 an einzelnen Schulen schloss Spaenle nicht aus. Diese müssten das aber organisatorisch und finanziell stemmen können. "Alles für alle gedoppelt ist nicht darstellbar." Nach Spaenles Darlegung soll es an den G9-Gymnasien eine "stoffliche Streckung" der Lerninhalte in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 geben.

Das weitere Vorgehen soll nun im einem erneuten Dialogprozess mit allen Betroffenen bis Ende des Jahres besprochen werden. Wer konkret vor Ort über das G8 oder die Umstellung auf das G9 entscheiden soll, ließ Spaenle offen. Man wolle aber "alle Gruppen der Schulfamilie qualifiziert an der Entscheidungsfindung beteiligen". Voraussetzung seien die Zustimmung des Sachaufwandsträgers - im Regelfall sind das die Landkreise - und die Genehmigung durch das Kultusministerium.

Spaenle sicherte zu, dass Schüler auch künftig ihre Wunschschule besuchen könnten. Wenn das nächstgelegene Gymnasium nicht das gewünschte G8 oder G9 anbiete, würden die Schulwegkosten zum nächsten passenden Angebot übernommen. Dies gewährleiste die Gleichbehandlung von städtischen und ländlichen Räumen.

Alles für alle gedoppelt ist nicht darstellbar.Kultusminister Ludwig Spaenle
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