Aigner meldet Ansprüche auf Seehofer-Nachfolge
"Kellerprimel" blüht auf

Machtkampf eröffnet: Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Ministerpräsident Horst Seehofer. Archivbild: dpa
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Bayern
19.03.2016
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Ilse Aigner kam als potenzielle Seehofer-Nachfolgerin von Berlin nach München - verschwand dann aber im Schatten ihres Kontrahenten Markus Söder. Doch plötzlich übt sie sich in der Offensive - auch wenn ihr Chef Seehofer ein Ende der Personaldebatten gefordert hatte.

München. Lange, sehr lange war es ruhig um Ilse Aigner. So ruhig, dass sich die bayerische Wirtschaftsministerin beim traditionellen Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg als "Kellerprimel" von Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU) verspotten lassen musste. "Ihr habt die Ilse vergessen", sang ihr Double im anschließenden Singspiel. Die echte Aigner lachte.

Doch jetzt blüht die angebliche Primel ganz plötzlich auf: Seit einiger Zeit macht die Ministerin, die auch Vorsitzende des einflussreichen CSU-Bezirksverbands Oberbayern ist, in ungeahnter Weise von sich reden: mit überdeutlichen Interview-Äußerungen, die man ihr - wenn man ihre bisherige Zeit im bayerischen Kabinett betrachtet - fast nicht mehr zugetraut hätte. Auch CSU-Politiker sind überrascht. Die neuesten Ansagen macht Aigner in der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag): Höflich, aber deutlich wie nie meldet sie dort ihren Machtanspruch auf die Nachfolge Seehofers im Jahr 2018 an. "Ich glaube, dass ich es könnte, ich glaube, dass es Bayern gut tun würde", sagt sie - und lässt damit eigentlich keine Fragen mehr offen. Auch wenn sie einschränkend hinzufügt: "Ich kämpfe dafür aber nicht ohne Rücksicht und mit allen Mitteln." Es gebe wichtigere Dinge. "Ich springe nicht von der Brücke, wenn ich es nicht werde", sagt sie.

Ohne Rücksicht und mit allen Mitteln: Damit zielt Aigner auf ihren Haupt-Kontrahenten Markus Söder. Auf den ehrgeizigen Finanzminister läuft derzeit alles zu: Kaum jemand in der Partei zweifelt daran, dass Söder die mit Abstand besten Chancen hat, Seehofer an der Spitze der CSU und als Regierungschef zu beerben. Söder erlaubte sich vor kurzem sogar, eine Pressekonferenz zur Energiewende anzusetzen - womit er die dafür zuständige Aigner öffentlich düpierte.

"Das Haferl ist voll"


Genau deshalb spart Aigner jetzt nicht mehr mit Seitenhieben auf ihren Kabinettskollegen: "Ich schlucke relativ lang relativ viel runter, aber irgendwann ist das Haferl voll", sagt sie. Im Bundeskabinett habe sie gelernt, dass man als Team zusammenarbeite. In München habe sie die Erfahrung machen müssen, dass man sich gegenseitig belauere. Dann sagt sie: "Wenn einer ein Machiavellist ist und man selber ist keiner, dann wird man das nicht gewinnen können - außer man macht es anders." Auf diesem Feld und mit diesen Methoden wolle sie ihrem Rivalen nicht begegnen. "Da müsste ich so werden wie er, das will ich nicht. Ich will Teamarbeit für das Land."

Seehofer sauer


Diese Kritik bricht nun inzwischen zum wiederholten Male aus Aigner heraus. Ähnlich - aber nicht ganz so deutlich - hatte sie sich auch schon in anderen Interviews geäußert. In einem davon ging sie sogar nicht nur Söder, sondern auch Horst Seehofer frontal an und beklagte, deren Zwist wirke wie "ein Konflikt zwischen zwei Machtmenschen".

Das wiederum trieb Seehofer auf die Palme: Er brauche keine Ermahnungen von irgendjemandem aus dem Kabinett, keilte er. Und in der CSU-Vorstandssitzung am Montag machte Seehofer klar, was er nun erwartet: dass die Debatte um seine Nachfolge eingefroren wird. Die CSU brauche ihre Energie für wichtigere Dinge. Das sieht im Prinzip die ganze Partei so - inklusive Aigner.

Söder liegt in Umfragen jedenfalls deutlich vor Aigner. Insofern, so heißt es in der CSU, hat Aigner vielleicht nur noch eine allerletzte Chance, die sie jetzt zu nutzen versucht. Viele glauben aber auch, dass ihr Aufbäumen schlicht und einfach zu spät kommt.
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Wilhelm Üblacker aus Neustadt an der Waldnaab | 19.03.2016 | 07:27  
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