Aigner sauer auf Söder
Meine Trassen, deine Trassen

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Bayern
03.03.2016
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Wer ist zuständig für die Stromtrassen? Die Energieministerin ist verstimmt, dass Heimatminister Markus Söder Mindestabstände bekannt gibt. Dessen Staatssekretär Albert Füracker kontert: "Wir sind für den Landesentwicklungsplan (LEP) zuständig."

Nürnberg. "Wir mischen uns in gar nichts ein, sondern haben planerisch das Wohl der Bevölkerung zu berücksichtigen", erklärt der Staatssekretär das Vorgehen gegenüber unserer Zeitung. Bei der aktuellen Diskussion müsse man außerdem unterscheiden: "Wir reden vom Ostbayernring, für den das Raumordnungsverfahren läuft, nicht von Süd-Link."

Markus Söder begründete am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Heimatministerium sein Engagement: "Wir nutzen unsere Möglichkeiten als Bundesland in der Landesplanung, um ausreichend Abstand zwischen Freileitungen und Wohnbebauung zu bekommen." Eine Position, die Trassenskeptiker Horst Seehofer beim Kabinettsknatsch am Dienstagabend offensichtlich teilte.

Unsichtbare Leitungen


Die beste Stromleitung sei die, die man nicht sehe. Deshalb habe sich die Staatsregierung zuvor für eine weitest mögliche Erdverkabelung der Nord-Süd-Gleichstromtrasse eingesetzt. Der Oberpfälzer CSU-Bezirksvorsitzende Füracker, regional durch die Entscheidung für Landshut und gegen Gundremmingen besonders betroffen, sagt: "Mein Optimum wäre, möglichst viel in Autobahnböschungen zu verlegen." Das würde auch die Oberpfälzer Landwirte beruhigen, die dem Bauvorhaben mit besonderem Unbehagen entgegensehen. "Kein Bauer lässt gerne Kabel in seinem Acker verlegen", zeigt er Verständnis. "Allerdings ist ein Hochspannungsmast am Feld auch nicht schön."

Oberstes Planungsziel sei, möglichst wenige Menschen zu beeinträchtigen. Dafür sollen die neuen Regelungen im LEP sorgen:

Innerhalb von Ortschaften gilt ein Mindestabstand von 400 Metern zwischen Wohngebäuden oder Schulen und Höchstspannungsleitungen.

Außerhalb von Ortschaften beträgt der Mindestabstand 200 Meter.

Überspannungen von Siedlungen sollen gänzlich vermieden werden.

Offen: Wann und wie viel


Als CSU-Bezirksvorsitzender und damit Oberpfälzer Interessenvertreter dränge Füracker darauf, vom Netzbetreiber Tennet, der den Auftrag für die Gleichstromtrassen von Amprion übernommen hat, im Vorfeld informiert zu werden. "Ich hoffe, dass sie gelernt haben. Es sind jetzt andere Akteure und die bisherigen Gespräche waren in Ordnung."

Über eine Einschätzung des zeitlichen Rahmens möchte der Staatssekretär nicht spekulieren: "Das hängt davon ab, wann konkrete Vorschläge vorliegen und wie lange das Genehmigungsverfahren dauert." Das Jahr 2023, das geplante AkW-Ausstiegsdatum, ist anvisiert: "Ob das zu schaffen ist, weiß ich schlicht nicht." Dasselbe gelte für die Kosten: Tennet hatte in einer ersten Einschätzung die Mehrkosten durch die Erdverkabelung auf etwa ein Drittel taxiert: "Dazu müsste Tennet erst einmal genau sagen, welche Technik sie nun genau anwenden will", so Füracker.
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