Amoklauf als Thema in den Medien: Sorgen vor Nachahmungseffekt wächst
„Keine gute Entwicklung“

Blumen und Kerzen liegen am Sonntag vor dem Olympia-Einkaufszentrums, daneben hängt eine türkische Fahne auf einer Absperrung. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
25.07.2016
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Bonn. Es war ein seltsames Bild, das nach dem Amoklauf in München immer wieder im Fernsehen zu sehen war. Ein junger Mann geht zu einem mit Blumen und Kerzen geschmückten Gedenkort in der Nähe des Einkaufszentrums, in dem der Täter am Freitagabend neun Menschen erschoss und anschließend sich selbst tötete. In stiller Andacht entzündet der Passant zwei Räucherstäbchen, geht in die Knie. Die Kamera schwenkt zur Seite - und gibt den Blick frei auf einen Pulk an Journalisten, die sich einen lautlosen Kampf um die besten Plätze liefern.

Die Jagd nach exklusiven Nachrichten gehört zum Berufsbild mit dazu - so schockierend und traurig das Ereignis auch sein mag. Angesichts der jüngsten Anschläge scheint aber die Frage immer drängender, wie weit die Suche nach ständig neuen Bildern und Informationen gehen soll. "Durch eine extensive Berichterstattung produzieren wir die nächsten Täter mit", warnte schon vor dem Amoklauf der Darmstädter Kriminalpsychologe Jens Hoffmann in der Zeitschrift "Publik-Forum". Nachahmungseffekt nennt sich das Ganze.

Mediale Dauerschleife


Ähnlich äußerte sich Hoffmann dann am Samstag im ARD-Brennpunkt. Der Leiter des Instituts für Psychologie und Bedrohungsmanagement gab zu bedenken, dass die mediale Dauerschleife immer mehr Menschen in eine Krisenstimmung versetze. Das sei "keine gute Entwicklung", denn sie spiele den Tätern, egal ob Terroristen oder Amokläufer in die Hände, die "einen möglichst großen Effekt" erzielen wollten.

Einen möglichst großen Effekt versprachen sich wohl auch einige Internet-User. Sie behinderten mit Meldungen via Twitter und Facebook die Arbeiten der Einsatzkräfte und schürten zusätzlich Panik. Am Samstag kursierten im Netz weitere Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Anschlag am Stachus im Zentrum Münchens. Die Polizei reagierte prompt, ebenfalls über Twitter. Dazu gab es die Warnung: "Mieses Spiel mit der Angst! Personen, die solche Gerüchte in die Welt setzen, dürfen sich schon mal warm anziehen. Die Ermittlungen laufen."
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