Amoklauf von München
Amokschütze von München plante Tat über Monate

Blumen, Kerzen und Stofftiere erinnern vor dem Olympia-Einkaufszentrum an die Opfer des Amoklaufs vom Freitagabend. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
24.07.2016
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Psychisch krank, von Mitschülern gemobbt, passionierter Computerspieler: Das ist das Täterprofil des Amokschützen von München. Die politische Debatte über Konsequenzen aus der Bluttat hat begonnen.

München/Berlin. Der Amokläufer von München hat seine Tat ein Jahr lang akribisch vorbereitet und dazu wie der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ein Manifest verfasst. Einen politischen Hintergrund schlossen die Ermittler am Sonntag aber aus. Zur Vorbereitung seiner Bluttat reiste der psychisch kranke 18-Jährige auch nach Winnenden, den Ort eines früheren Amoklaufs. Seine Opfer, die überwiegend aus Migrantenfamilien stammen, suchte er sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht gezielt aus.

Die Bluttat löste am Wochenende eine Debatte über die Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen aus. Unions-Politiker forderten mehr Videoüberwachung, die Stärkung der Sicherheitsbehörden und den Einsatz der Bundeswehr bei Terroranschlägen. Auch schärfere Waffengesetze und Maßnahmen gegen Gewaltverherrlichung in Computerspielen sind wieder im Gespräch.

9 Tote, 35 Verletzte


Der Amoklauf hatte am Freitagabend München in Angst und Schrecken versetzt. Der 18-jährige Täter schoss in und vor dem Olympia-Einkaufszentrum sowie in einem Schnellrestaurant um sich, tötete neun Menschen - überwiegend Jugendliche - und anschließend sich selbst. Drei Menschen schwebten noch in Lebensgefahr. Laut Landeskriminalamt gab es 35 Verletzte.

Polizei und Staatsanwaltschaft informierten am Sonntag über die ersten Ermittlungsergebnisse. Danach hat der Schüler unter "sozialen Phobien" und Depressionen gelitten, war zwei Monate in stationärer, später in ambulanter Behandlung. Im Jahr 2012 wurde der Täter von Mitschülern gemobbt. Ob es einen Zusammenhang zur Tat gebe, sei noch unklar, erklärten die Ermittler. Mitschüler seien aber nicht unter den Opfern. Der Amoklauf fand am fünften Jahrestag von Breiviks Massenmord in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya statt, bei dem der Rechtsextremist 77 Menschen tötete.

Der Täter von München informierte sich über dessen Tat und besaß das Buch "Amok im Kopf - Warum Schüler töten". Nach Angaben der Ermittler spielte der Täter intensiv Videospiele wie "Counter-Strike", die als gewaltverherrlichend kritisiert werden. Mit seiner Pistole gab der Täter mindestens 57 Schüsse ab. Die Waffe hat er im anonymen Bereich des Internets gekauft, dem Darknet. Am Sonntag nahm die Polizei einen Freund des Amokläufers als mutmaßlichen Mitwisser fest. Gegen den 16-Jährigen werde wegen Nichtanzeigens einer Straftat ermittelt.

Weltweit Anteilnahme


Der Amoklauf sorgte weltweit für Entsetzen und Anteilnahme. In der französischen Hauptstadt Paris erstrahlte der Eiffelturm am Samstagabend in Gedenken an die Opfer in den deutschen Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold. Papst Franziskus reagierte bestürzt, bekundete den Hinterbliebenen in einem Telegramm an den Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx seine Anteilnahme und dankte den Sicherheitskräften. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer Nacht des Schreckens.
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