Angeklagter untergetaucht
Pfarrer von Zorneding massiver bedroht als bekannt

Politik BY
Bayern
19.10.2016
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München. (dpa/KNA) Der wegen Morddrohungen gegen den afrikanischstämmigen Pfarrer von Zorneding angeklagte Rassist ist womöglich untergetaucht. Auch am Tag nach seinem unerlaubten Fernbleiben vom Prozess hat die Polizei keine Spur von dem 74-Jährigen, wie der Vizedirektor des Amtsgerichts Ebersberg, Markus Nikol, am Mittwoch sagte. Nachdem der Angeklagte am Dienstag nicht zum Prozess erschienen war, erließ Richterin Vera Hörauf Haftbefehl gegen ihn. Aber auch in seiner Münchner Wohnung war er nicht anzutreffen, so dass die Fahndung nach ihm eingeleitet wurde.

Der 74-Jährige muss sich wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung verantworten. Er soll dem aus dem Kongo stammenden Geistlichen zwischen November 2015 und März 2016 Schreiben mit Morddrohungen geschickt haben. Er ist schon mehrfach wegen Volksverhetzung in Erscheinung getreten.

"Zeit, dass du wegkommst"


Der frühere Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende (67) ist massiver bedroht worden als bisher bekannt. So habe er nicht nur Postkarten mit Morddrohungen erhalten, sondern auch Briefe, sagte er im Interview der "Süddeutschen Zeitung". Dabei zitierte er aus einem Schreiben: "Wir kennen das Kennzeichen deines Autos, wir wissen, wo du wohnst, wir wissen auch, wohin du gehst, kennen deine Wege." Daran habe er natürlich gedacht, wenn er abends alleine in die Filialkirchen seiner Pfarrei gegangen sei, sagte der Geistliche.

Der Pfarrer, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hatte im März die oberbayerische Pfarrei verlassen. Den Entschluss, Zorneding zu verlassen, habe er im Februar gefasst, berichtete der Priester. Damals hätten sich die Morddrohungen verstärkt. So habe er einen Brief mit den Worten erhalten: "Jetzt ist es Zeit, dass du weg von Zorneding kommst. Sonst passiert dir das Gleiche wie dem anderen Pfarrer." Darunter sei ein Artikel über einen Pfarrer aufgeklebt gewesen, der von Rechtsradikalen fast zu Tode geprügelt worden wäre. Der Zusatz habe gelautet, "dass man bei mir treffsicher sein würde".
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