Anwälte wenden sich direkt an Beate Zschäpe im NSU-Prozess
Fragen über Fragen

Die Angeklagte Beate Zschäpe und ihr Anwalt Mathias Grasel. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
07.07.2016
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Nur ein Mensch kann wissen, wie die mutmaßlichen NSU-Terroristen ihre fast 14 Jahre im Untergrund verbrachten: Beate Zschäpe. Anwälte der NSU-Opfer fragten sie zum ersten Mal aus - nach Reisezielen, Beziehungen, Kontakten. Ob Zschäpe antworten wird, ist unklar.

München. Anwälte von Opfern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" haben im Münchener NSU-Prozess zum ersten Mal direkt Fragen an die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe gerichtet. Bisher hatte Zschäpe nur auf Fragen des Gerichts geantwortet. Die Angeklagte hatte im vergangenen Dezember ihr jahrelanges Schweigen gebrochen und bestritten, in die Mord- und Anschlagspläne ihrer beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eingeweiht gewesen zu sein.

Die Verlesung der Fragen zog sich am Mittwoch über mehrere Stunden hin. Zschäpe antwortete zunächst nicht. Stattdessen notierte ihr Rechtsanwalt Mathias Grasel die Fragen. Auch die Richter-Fragen des Münchener Oberlandesgerichts hatte Zschäpe nicht spontan beantwortet, sondern gesammelt und die Antworten erst Wochen später von ihrem Vertrauensanwalt Hermann Borchert verlesen lassen.

Klarheit über Reisen


Den Anfang machte der Berliner Rechtsanwalt Sebastian Scharmer. Er fragte, ob Zschäpe selbst einmal in die Städte gereist sei, in denen ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Mundlos und Böhnhardt Menschen getötet oder Bombenanschläge verübt haben sollen. Dies waren Nürnberg, München, Köln, Rostock, Hamburg, Dortmund, Kassel und Heilbronn. Er wollte von Zschäpe zudem wissen, ob sie von Reisen ihrer beiden Freunde in diese Städte gewusst habe und ob ihr bekannt sei, wie die Opfer der zehn Morde ausgewählt worden seien.

Andere Fragesteller erkundigten sich, was Zschäpe über Kontakte zu teils prominenten Neonazis wusste oder ob sie selber solche Kontakte unterhielt. Der Münchener Rechtsanwalt Yavuz Narin fragte Zschäpe, ob sie oder Mundlos und Böhnhardt während ihrer Zeit im Untergrund bezahlter Arbeit nachgegangen seien. Mehrere Anwälte erkundigten sich, ob sie etwas zu Liebesbeziehungen der drei sagen könne und ob es Partner außerhalb des Trios gegeben habe. Dazu gibt es bisher nur Mutmaßungen. Ebenso soll sich Zschäpe über ihre Einstellung zu Türken, Juden oder Polizisten äußern. Fragen an Zschäpe richtete auch der psychiatrische Gutachter Henning Saß, den das Gericht mit der Begutachtung der Angeklagten beauftragte. Saß wollte wissen, wie es um Zschäpes Alkoholkonsum und die Einnahme von Medikamenten bestellt gewesen sei. Außerdem interessierte er sich dafür, ob Zschäpe persönliche und emotionale Probleme mit jemandem besprechen konnte.

Monate notwendig


Zschäpe schwieg, während Anwälte und Gutachter ihre Fragen vortrugen, hielt aber immer wieder Blickkontakt zu einzelnen Fragestellern. Zschäpe-Anwalt Borchert ließ offen, ob die Fragen beantwortet werden oder nicht. Allerdings werde es "Monate dauern", den gesamten Fragenkatalog durchzuarbeiten. Fortgesetzt wird der NSU-Prozess am kommenden Dienstag. Den Termin am Donnerstag setzte das Gericht ab.

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