Asylbewerber und Beschäftigung
Schwarzarbeit fast kein Thema

Der schwarze Schatten eines Malers ist auf einer Hauswand zu sehen. Bislang ist Schwarzarbeit bei Asylbewerbern und Flüchtlingen noch kein Thema, sagen Behörden und Fachstellen. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
22.03.2016
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Einmal in Deutschland angekommen, sind sie oft zu monatelangem Nichtstun verdammt. Dabei würden viele Flüchtlinge gerne arbeiten. Die Hürden sind aber immer noch hoch. Da ist die Versuchung groß, sich als Schwarzarbeiter zu verdingen.

Nürnberg. Das Taschengeld ist knapp bemessen, und die Schlepper warten schon auf die nächste Rate - da ist die "Anreizwirkung" für Flüchtlinge groß, sich schwarz ein paar Euros dazuzuverdienen, glaubt der Migrationsforscher Herbert Brücker. Das zeigen zumindest frühere Erfahrungen mit Asylbewerbern, betont der Bamberger Universitätsprofessor. Aktuell scheint das aber kein noch allzu großes Problem zu sein.

Dass sich manche Syrer, Iraker, Afghanen und Somalier als Taglöhner verdingen, will zwar keiner der Fachleute gänzlich ausschließen. Die im Vorjahr eingetroffenen Flüchtlinge spielen nach den Erfahrungen von Behörden, Forschern und Sozialverbänden bisher in der Schattenwirtschaft noch kaum eine Rolle. Doch das könnte sich schon bald ändern. Davon ist auch das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen überzeugt. Die Wissenschaftler rechnen in diesem Jahr mit 100 000 und 300 000 schwarz arbeitenden Flüchtlingen. Professor Bernhard Bookmann unterstellt dabei, dass sich rund 25 Prozent der rund 800 000 Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter in der Schattenwirtschaft verdingen könnten - zu Stundenlöhnen von fünf bis sechs Euro, teilweise deutlich darunter.

Schulden und Not


Dafür gibt es nach Boockmanns Erfahrung gleich mehrere Gründe: "Viele haben sich für die Schlepper verschuldet. Manche haben auch Familien in der Heimat, die sie finanziell unterstützen wollen". Und schließlich sei die Versuchung groß, sich das geringe Taschengeld etwas aufzubessern. Der Zoll sieht dafür bislang freilich keine Hinweise. "Die Frage ist, wie das im nächsten Jahr aussieht", meint der für den zuständige Sprecher der Zoll-Generaldirektion in Bonn, Klaus Salzsieder.

Auch die Betreiberin eines Flüchtlingsheims in Nürnberg ist überzeugt, dass die meisten Asylbewerber wüssten, dass Schwarzarbeit strafbar und daher für sie riskant sei. So sieht man das auch beim Diakonischen Werk, das in vielen Erstaufnahmeeinrichtungen Beratungsstellen betreibt: "Wenn das gehäuft vorkäme, wüssten wir das", berichtet Sprecher Daniel Wagner. Auch die Handwerkskammer und der DGB winken ab. Bislang sei das kein Thema. Trotzdem gibt es in der Flüchtlings- und Ausländerszene auch andere Stimmen. Glaubt man einem in Nürnberg lebenden Arabisch-Dolmetscher, der ungenannt bleiben möchte, dann ist Schwarzarbeit unter Flüchtlingen gar nicht so selten: "Da gibt es arabische Autohändler in der Stadt, die heuern ganz gezielt syrische und arabische Flüchtlinge an. Die lassen die Flüchtlinge dann für ein paar Euro Autos waschen. Andere sind in Restaurants als billige Spülkräfte eingesetzt - für fünf bis sechs Euro die Stunde und manchmal sogar für weniger", berichtet er. Vermittelt würden die Jobs unter anderem am Nürnberger Hauptbahnhof. Schwarzarbeit unter Migranten, auch unter Flüchtlingen, ist für Brücker jedenfalls nichts Ungewöhnliches. Trotzdem ließen sich dabei nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren.

Flüchtlinge vom Balkan etwa seien vor allem wegen der Arbeit nach Deutschland gekommen. Bei Syrern, die zunächst einmal dem Bürgerkriegsterror entfliehen, sei das meist anders. "Die verhalten sich eher gesetzestreu", ist Brückers Erfahrung. Grundsätzlich aber bewege man sich wegen der dünnen Datenlage bei diesem Thema auf "dünnem Eis".
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