Attacke im Zug bei Würzburg
Der Terror schleicht sich an

Reste eines Absperrbandes hängen am Mittwoch bei Würzburg-Heidingsfeld über einem Weichensignal. Dort kam der Regionalzug zum Halt, in dem am Montagabend ein 17 Jahre alter Afghane mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste losgegangen war. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
21.07.2016
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Die politischen Reaktionen auf die Axt-Attacke von Würzburg sind zurückhaltend. Das liegt daran, dass der Anschlag nicht überraschend kommt - und dass die Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Berlin. Alle haben gehofft, dass er wegbleibt. Aber fast jeder hat geahnt, dass er auch Deutschland irgendwann erreichen würde. Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwochmittag vor die Presse tritt, ist er mit der Wortwahl noch vorsichtig. "Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt", sagt der CDU-Politiker über die Würzburger Axt-Attacke. Bloß keine Panik, lautet die Devise. Denn das wäre genau das, was Terroristen wollen.

Drei Anschläge


Die deutsche Öffentlichkeit hatte lange genug Zeit, sich an die Gefahr zu gewöhnen. Mehrere größere Terroranschläge in Deutschland konnten von den Sicherheitsbehörden verhindert werden. Es gab allerdings schon drei Anschläge, die wie der jetzige von Einzeltätern verübt wurden. Im März 2011 erschoss ein Kosovo-Albaner auf dem Flughafen Frankfurt zwei US-Soldaten. Im Februar 2016 stach eine 15-jährige Deutsch-Marokkanerin auf einen Bundespolizisten ein. Im April explodierte ein Sprengsatz an einem Sikh-Tempel in Essen und verletzte drei Menschen. Die neue Dimension von Würzburg: der offensichtliche Bezug zum IS.

Reflexartig beginnt am Mittwoch die Debatte über Konsequenzen. De Maizière fordert mehr Videoüberwachung und mehr Polizisten. Die Eisenbahngewerkschaft will "Train Marshalls" in Zügen postieren. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) kündigt Maßnahmen gegen islamistische Propaganda im Internet an. Sie alle wissen aber auch, dass man Terror kurzfristig radikalisierter Einzeltäter auch mit den schärfsten Sicherheitsmaßnahmen nicht verhindern kann.

Keine Garantie


Und welche Auswirkungen hat die Tat auf die Flüchtlingsdebatte? Die AfD fühlt sich in ihren Warnungen vor einer erhöhten Terrorgefahr durch Flüchtlingszuzug bestätigt. Innenminister Joachim Herrmann bekräftigt die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge. Er lehnt es aber ab, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Axt-Angriff und der Flüchtlingskrise herzustellen, um Pauschalurteilen vorzubeugen. Und die CSU fordert effektive Grenzkontrollen. Aktionismus sucht man aber vergebens. Mehr Kontrollen in Zügen? Da sagt Herrmann, es sei völlig unrealistisch, dass in jedem Bahnwaggon ein Polizist sitzt. Man könne auch nicht plötzlich Lastwagen, Äxte und Messer verbieten. Der Staat versuche alles, um die Bürger vor Terror zu schützen, sagt de Maizière. "Eine Garantie dafür, dass es gelingt, Anschläge immer und überall zu verhindern, gibt es aber trotzdem leider nicht."
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