Attacken von allen Seiten

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Bayern
24.12.2014
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"Pegida" bekommt Gegenwind. Während das antiislamische Bündnis in Dresden noch Zulauf hat, steht es anderswo am Rand. Der Schlachtruf "Dresden zeigt, wie's geht" verhallt in anderen Städten ungehört.

Wer ist das Volk? Wo steht es in diesen Tagen? Und wie ist es dem Bündnis "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in den vergangenen Wochen gelungen, den Anschein zu erwecken, als habe es eine Antwort darauf?

In Dresden ist die islamfeindliche Bewegung entstanden. Unter dem Jubel ihrer Anhänger macht sie seit Wochen Front gegen eine angebliche Überfremdung Deutschlands. Und trotz aller Kritik verzeichnet sie in der sächsischen Metropole immer noch Zulauf. Doch in anderen Städten sieht das ganz anders aus.

Dort stehen kleine Gruppen von "Pegida"-Ablegern inzwischen Tausenden Gegendemonstranten gegenüber. Der Gegenprotest ist unüberhörbar. München hat das am Montagabend besonders eindrucksvoll bewiesen. Auf dem Max-Joseph-Platz vor der Oper versammelten sich Tausende, um ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Die Polizei zählte mindestens 12 000 Teilnehmer, die Veranstalter gar 25 000. Auf einem anderen Münchner Platz verloren sich dagegen 20 "Pegida"-Anhänger.

Aufstand der Anständigen

Einen neuen "Aufstand der Anständigen" hat Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gefordert. So wie damals, als im Jahr 2000 nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge 200 000 Menschen aus Protest gegen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus auf die Straße gingen. Damals marschierten Bundespräsident Johannes Rau und Kanzler Schröder vorneweg.

Heute sind es vor allem die Bürger, die mobil machen. In Dresden protestierten am Montag gut 4500 Gegendemonstranten gegen 17 500 "Pegida"-Anhänger. Womöglich hätte es noch mehr Widerstand gegeben, doch das Bündnis "Dresden für alle" verzichtete dieses Mal auf Demonstrationen. Ein Eindruck bleibt: Das unterschwellige Aggressionspotenzial der "Pegida"-Anhänger wächst. Journalisten berichten von Pöbeleien und offen zur Schau getragenem Hass. Der Schlachtruf "Lügenpresse" war am Montag in Dresden tausendfach zu hören. So mancher fügt gern ein "... auf die Fresse" hinzu.

Als Antwort auf die anti-islamische "Pegida"-Bewegung hat die deutsche Wirtschaft sich klar zu mehr Zuwanderung und für die Aufnahme von Flüchtlingen bekannt. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, sagte: "Wir sind längst ein Einwanderungsland, und das müssen wir auch bleiben." Flüchtlinge sollten willkommen sein. "Als Wohlstandsstaat - und auch aus christlicher Nächstenliebe - sollte es sich unser Land leisten, mehr Flüchtlinge aufzunehmen."

Grillo kritisierte die Protestmärsche: "Von den Neonazis und Ausländerfeinden, die sich in Dresden und anderswo versammeln, distanziere ich mich ganz klar." Die Angst vor islamistischem Terror werde von "Pegida" instrumentalisiert, um eine ganze Religion zu verunglimpfen. "So etwas halte ich für absolut inakzeptabel. Gegen jede Fremdenfeindlichkeit müssen wir deutlich angehen", sagte der BDI-Chef, der die politischen Interessen von mehr als 100 000 Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten vertritt.

Experten: Dialog sinnlos

Experten wie Patzelt glauben nicht, dass ein Dialog mit "Pegida" viel Sinn macht. Zu groß seien die Feindbilder auf beiden Seiten: "Im Übrigen kann man mit 15 000 Demonstranten gar nicht reden. Das wollen die auch gar nicht." Tatsächlich hatte "Pegida"-Chef Lutz Bachmann erklärt, dass es keiner Gespräche mit der Politik bedürfe. Die Politiker müssten nur ihre Augen aufmachen, dann wüssten sie schon, was zu tun sei. Und wo soll ein Dialog ansetzen, wenn Politiker in Sprechchören als "Volksverräter" beschimpft werden?

Der "Pegida"-Ruf "Wir sind das Volk" findet inzwischen scharfen Widerspruch - vor allem bei denen, die ihn in den Tagen der friedlichen Revolution in der DDR aus der Taufe hoben. Dieser Spruch habe damals für Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit gestanden, erklärten mehr als 50 frühere Bürgerrechtler am Dienstag.

Es sei unverschämt und missbräuchlich, "wenn das jetzt politisch Enttäuschte und auch Verblödete nachbrüllen", sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer im Deutschlandfunk. Statt 89er- Slogans wie "Visafrei bis Hawaii" und "Die Mauer muss weg", fordere "Pegida" im Grunde "Visa frei nur für uns" und eine Mauer ans Mittelmeer, hieß es im gemeinsamen Aufruf. In Leipzig, der "Hauptstadt der friedlichen Revolution in der DDR", formiert sich schon Widerstand gegen "Legida". Dabei will der "Pegida"-Spross überhaupt erst am 12. Januar mobilmachen.
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