Bayer an EKD-Spitze

Der wiedergewählte Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm gratuliert seiner neu gewählten Stellvertreterin Annette Kurschus. Bild: dpa
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Bayern
12.11.2015
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Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm steht weiter an der Spitze der Protestanten in Deutschland. In Bremen fuhr der 55-Jährige einen deutlichen Wahlsieg ein.

Kontinuität an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Heinrich Bedford-Strohm bleibt Ratsvorsitzender. Der 55-jährige bayerische Landesbischof wurde am Mittwoch bei der Synodentagung in Bremen mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Zur Stellvertreterin wurde die 52 Jahre alte westfälische Präses Annette Kurschus gewählt. Bedford-Strohm erhielt 124 von 125 abgegebenen Stimmen. Es gab eine Nein-Stimme. Der Theologe dankte sichtlich bewegt. Er sei "völlig überwältigt" von dem Wahlergebnis, das ihm "riesigen Rückenwind" für die anstehenden Aufgaben gebe.

Bedford-Strohm ist seit dem Jahr 2011 bayerischer Landesbischof, dem Rat der EKD gehört er seit 2013 an. Den Ratsvorsitz hatte er vergangenes Jahr übernommen, nachdem Nikolaus Schneider wegen einer Krebserkrankung seiner Frau Anne zurückgetreten war. Nun wurde Bedford-Strohm turnusgemäß für sechs Jahre zum obersten Repräsentanten der 22,5 Millionen deutschen Protestanten gewählt.

Im Gegensatz zu Bedford-Strohm war Kurschus am Dienstag erstmals in den Rat der EKD gewählt worden. Bei der Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden erhielt sie am Mittwoch 118 von 125 Stimmen. Es gab eine Nein-Stimme und sechs Enthaltungen. Das "eindeutige Ergebnis" stärke ihr den Rücken, sagte die reformierte Theologin.

Vor Bedford-Strohm und Kurschus warten zahlreiche Aufgaben. Zum einen gilt es, auf den anhaltenden Mitgliederrückgang zu reagieren, der in den nächsten Jahren auch zu sinkenden Steuereinnahmen führen wird. Zum anderen blicken die Protestanten auf das 500. Reformationsjubiläum in zwei Jahren voraus. Es geht zurück auf die Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther im Jahr 1517, die als Ausgangspunkt für die weltweite Reformation gilt.

Gegen Antijudaismus

In einer einstimmig beschlossenen Kundgebung distanziert sich die Synode von den judenfeindlichen Aussagen Martin Luthers (1483-1546) und anderer Reformatoren. Bereits am Montag hatte die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Käßmann, kritisiert, dass der Antijudaismus des Reformators in der evangelischen Kirche jahrzehntelang kein Thema gewesen ist. Das weitreichende Versagen gegenüber dem jüdischen Volk erfülle mit Trauer und Scham, heißt es im Text. Aus dem Erschrecken über theologische Irrwege und dem Wissen um Schuld am Leid der Juden erwachse eine besondere Verantwortung, jeder Form von Judenfeindschaft entgegenzutreten.

Bis 2017 werde die evangelische Kirche ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären, kündigte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer zum Abschluss der Jahrestagung an.
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