Blick hinauf zu Strauß

Weniger linke Ideen, mehr alte Werte. Der konservative Aufbruch, eine neue Gruppierung in der CSU, hat in Thomas Goppel zumindest einen Fürsprecher gefunden. Bild: dpa
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Bayern
22.10.2014
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Sie nennen sich "Konservativer Aufbruch": eine Gruppe von jüngeren CSU-Mitgliedern, die ihre Partei wieder "auf Kurs" bringen wollen. Jetzt hatten sie zu einer ersten öffentlichen Kundgebung geladen, mit einem prominenten Gastredner und an einem für die CSU wichtigen Ort.

Natürlich ist der Ort mit Bedacht gewählt. Und natürlich empfinden ihn manche in der CSU als Provokation. Quasi einen Steinwurf von der Gruft von CSU-Übervater Franz Josef Strauß entfernt, hat sich am Montagabend eine Gruppe von Leuten getroffen, die sich "Konservativer Aufbruch" nennt - erstmals zu einer öffentlichen Kundgebung, misstrauisch beäugt von Parteichef Horst Seehofer. In einem Nebenzimmer des Landgasthofs "Stechl" in Rott am Inn sitzen sie. Etwa 30 Gäste sind gekommen. "Ziemlich geschmacklos", wetterte Strauß-Tochter Monika Hohlmeier schon vorab im "Münchner Merkur".

"Echte CSU-Politik statt Anpassung an den rot-grünen Zeitgeist": Das ist der Kern der Forderungen des "Konservativen Aufbruchs", der sich schon im Juni gegründet hatte. Und darüber wollen sie an diesem Abend öffentlich diskutieren. Auch mit ihrem Gast: Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Der hatte sich, so erzählt er, am Morgen vom CSU-Vorstand noch Kritik deshalb anhören müssen. Seehofer selbst trug ihm auf, anschließend Bericht zu erstatten. Kaum einer im Saal nennt Seehofer an diesem Abend beim Namen. Und doch machen viele den Parteichef verantwortlich: "Wir haben das Gefühl, dass die Verlässlichkeit der CSU in den letzten Jahren leider etwas verloren gegangen ist", sagt einer der Sprecher, Lars Bergen.

Konservativer Kurs

Die Gründer des "Konservativen Aufbruchs", allesamt jüngere und bislang unbekannte Leute, wollen die CSU wieder auf Kurs bringen. Man wolle den Konservativen eine Stimme geben, sagt Bergen. Sein Kollege David Bendels betont: "Wir müssen aufpassen, dass unsere CSU diesem linken und linkslastigen Abwärtstrend der CDU nicht folgt. Sonst ist unsere CSU, an der uns viel hängt, in der Gefahr, nicht mehr Volkspartei sein zu können." Konkret fordern die Initiatoren einen harten Kurs gegen abgelehnte Asylbewerber: nämlich deren sofortige Abschiebung. Sie sind gegen das achtjährige Gymnasium. Sie sind für einen harten Kurs in der Euro-Politik. Sie wehren sich dagegen, die Energiewende zu überstürzen. Und sie fordern, dass Ehe und Familie ganz klar Vorrang haben vor alternativen Lebensformen.

80 Prozent davon finde sich doch bereits im CSU-Programm, meint Goppel. Niemand wolle aber der CSU den Rücken kehren. Der "Konservative Aufbruch" wolle eine integrative Kraft sein, damit es - wie FJS einmal verlangt hatte - rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei mehr geben könne.
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