Bluttaten erschüttern den Freistaat
„Tage des Schreckens“

"Es ist klar, dass es ein Anschlag mit islamistischem Hintergrund ist." Zitat: Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
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Bayern
26.07.2016
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Ein Polizist bückt sich Sonntagabend in Ansbach nach dem Rucksack eines 27-jährigen der zuvor einen Sprengsatz zur Explosion gebracht hatte. Bild: dpa

Erst Würzburg, dann München, jetzt Ansbach: Drei Bluttaten innerhalb nur einer Woche erschüttern Bayern. Immer wieder diese Bilder: Menschen in Panik, Blaulicht, Tote, Verletzte. Auch wenn die drei Taten nicht zusammenhängen, hält ein ganzes Land den Atem an.

Ansbach/München. Ministerpräsident Horst Seehofer fasst das Unfassbare in einen kurzen Satz: "Bayern erlebt Tage des Schreckens", sagt der CSU-Chef am Montag über die vergangene Woche, die in ihrem Grauen in der jüngeren Vergangenheit ohne Beispiel ist.

Am Montag vergangener Woche die Axt-Attacke bei Würzburg, am Freitag der Amoklauf in München, und dann am Sonntagabend ein Bombenanschlag in Ansbach: Die Schreckensnachrichten und Hiobsbotschaften prasseln seit einer Woche in atemberaubendem Stakkato auf die Menschen in Bayern und der gesamten Republik ein. Ein Land steht unter Schock.

In einem Atemzug


Denn die Angst ist plötzlich ganz nah: Inzwischen werden nicht nur Paris, Brüssel und Nizza in einem Atemzug genannt, sondern drei bayerische Städte - auch wenn die Bluttaten nicht vergleichbar sind.Für viele sind die Nachrichtensendungen schon unerträglich geworden: Menschen in Panik, Blaulicht, Sirenen, Tote, Verletzte, Trauernde - derlei Szenen häufen sich inzwischen in fast gespenstischer Art und Weise. Selbst langgediente Regierungsbeamte berichten, dass sie sich morgens fast nicht mehr trauen, auf ihre Smartphones zu schauen.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) scheint von den Ereignissen der vergangenen Tage gezeichnet, als er am frühen Montagmorgen in Ansbach vor die Presse tritt. Er wirkt müde, angespannt, betroffen. Und verkündet, zunächst als "persönliche Einschätzung", was er später am Tage nochmals bekräftigen wird: dass der Anschlag wahrscheinlich einen islamistischen Hintergrund hat.

Ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien hatte am Sonntagabend nahe einem Open-Air-Konzert in Ansbach eine Bombe gezündet. Er selbst kam dabei ums Leben. 15 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schließt zunächst weder einen Bezug zum internationalen IS-Terrorismus noch eine psychische Störung des Täters aus - denn es ist auch bekannt, dass der Mann aus Aleppo Selbstmordversuche hinter sich hatte. Oder es sei eine "Kombination", sagt de Maizière.

Drohung als Video


Herrmann spricht dagegen sehr deutlich von einem Terroranschlag mit islamistischer Überzeugung des Täters - wobei zunächst nicht klar ist, ob es direkte Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gab. Doch der Minister verrät Details: dass es auf einem Handy eine Anschlagsdrohung des Täters selbst als Video gebe; dass der Mann einen Racheakt gegen Deutsche angekündigt habe als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes heiße es, der Täter handele im Namen Allahs. Und: Der Mann beziehe sich auf Abu Bakr al-Bagdadi - den IS-Anführer.

Die Aufklärung aller drei Taten dürfte noch lange dauern. Bis dahin haben die Menschen in Bayern nun vor allem diesen Wunsch: dass es mit der Serie von Schreckensnachrichten ein Ende haben möge.

Es ist klar, dass es ein Anschlag mit islamistischem Hintergrund ist.Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
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