Brandanschlag in Vorra richtet sich gegen Flüchtlinge
Schlag aus dem Nichts

Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen ein durch den Brand beschädigtes Gebäude.
Politik BY
Bayern
13.12.2014
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Die Willkommensfeier im mittelfränkischen Vorra war schon vorbereitet. Ein Brandanschlag verhindert nun, dass Asylsuchende einziehen können. Für die Polizei gibt es kaum Zweifel am rechtsextremen Hintergrund. Ermittler, Politiker und Nachbarn sind alarmiert.

Wer immer die Brandsätze in die noch unbewohnten Flüchtlingsunterkünfte geworfen hat, ließ keine Zweifel an seinen Motiven: "Kein Asylat in Vorra" prangt fehlerhaft am Freitagfrüh auf der frisch verputzten weißen Wand eines Scheunenanbaus in dem mittelfränkischen Ort. Die Schrift der mit rot-brauner Farbe aufgesprühten Schmiererei ist genauso krakelig wie die Hakenkreuze rechts und links davon. Der Staatsschutz ermittelt.

Die Spuren der Brandanschläge auf das zweigeschossige Gasthofgebäude im Zentrum des beliebten Ausflugsortes im Kreis Nürnberger Land sind unübersehbar: In der oberen Etage Ruß an den Fensterrahmen. Die Dachgauben hat das Feuer verkohlt. In dem ebenfalls in Brand gesetzten Wohnhaus einen Steinwurf davon entfernt reicht ein Blick durch die weit geöffnete Eingangstür, um die Wucht der Flammen zu erkennen: Der hölzerne Treppenaufgang ist komplett ausgebrannt. Da die Gebäude noch leer standen, wurde bei dem Brand niemand verletzt.

Eine Anwohnerin zeigt sich geschockt: "Wir waren alle froh, dass das lange leerstehende Gebäude endlich mal hergerichtet wurde." Ob es denn Vorbehalte im Ort gegenüber Flüchtlingen gibt? Die Mittvierzigerin schüttelt den Kopf: "Ganz im Gegenteil. Wir haben uns schon auf die Ankunft der Flüchtlinge gefreut. Wir haben uns darauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen."

Schon vor Monaten hat sich auf Initiative der Pfarrei ein Unterstützerkreis gegründet, um die Ankunft der 70 bis 80 Asylbewerber vorzubereiten. Mit der Betreuung von 30 Asylbewerbern im Nachbarort habe man "wunderbare Erfahrungen gemacht", sagte der evangelische Pfarrer Björn Schukat dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nun stehe der ganze Ort unter Schock.

Schukat hat beim Zubettgehen den beißenden Rauch wahrgenommen und die Flammen gesehen. Gleich darauf trafen bereits die ersten Feuerwehren ein. Stundenlang kämpften sie gegen die Brände, "die auf jeden Fall vorsätzlich gelegt worden sind", sagt am Freitag der herbeigeeilte bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Schmierereien "sprechen für einen rechtsextremen Hintergrund".

Clique am Dorfrand

"Es hat uns getroffen wie ein Schlag aus dem Nichts", sagt Armin Kroder (Freie Wähler) mit Grabesstimme. Der Landrat ist erschüttert. "Wir wollen die Menschen herzlich willkommen heißen, dabei bleibt's", betont er beinahe trotzig. Etwas ratlos zeigt sich Bürgermeister Volker Herzog (SPD). Er beteuert, dass es "keine rechten Umtriebe" in Vorra gebe - und verweist auf die große Offenheit vieler gegenüber den Ausländern. Noch am vorletzten Wochenende hätten sich viele Bürger bei einem "Tag der offenen Tür" ein Bild von den frisch renovierten, fast bezugsfertigen Unterkünften gemacht.

Erst auf Nachfragen kommt das Gemeindeoberhaupt auf die "Clique" zu sprechen, die sich seit zwei oder drei Jahren in einem Wochenendhaus am Waldrand oberhalb von Vorra gelegentlich trifft und "dort ihre Lieder singt". Da es Hinweise gebe, dass sie dem rechtsextremen Spektrum angehöre, stehe die Gruppe seit längerer Zeit unter Beobachtung der Polizei, berichtet Herzog. Außer dass es "Auswärtige" seien und sie im Ort nicht besonders aufgefallen seien, wisse er nichts. Auch von der Polizei habe er nie Informationen über die Gruppe bekommen. Die Polizei ermittelt bislang gegen Unbekannt. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Täter am späten Donnerstagabend in die Gebäude eingedrungen und haben Feuer gelegt. Die Bewohner der Ortschaft wurden erst aufmerksam, als dichte Rauchwolken aus den Fenstern des Gasthofs und dem früheren Wohnhaus quollen.

Zu den Augenzeugen gehört auch der mittelfränkische Regierungsvizepräsident Eugen Ehmann, der in Vorra wohnt, in Sichtweite zum alten Gasthof. Dicke Qualmwolken sah er, als er - aufgeschreckt von den Sirenen der örtlichen Feuerwehr - aus dem Haus trat. Ehmanns Behörde ist verantwortlich für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die Unterkunft in Vorra stehe dafür erst einmal nicht mehr zur Verfügung, meint er.

Solidaritätsgottesdienst

Der evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche ermahnt die Menschen, keinen Stimmungswechsel herbeizureden. "Ich erlebe so viel Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge, die ein brutales Schicksal haben." Viele sagen: "Klar helfen wir denen." Deshalb kommt er am Sonntag wieder nach Vorra. Um 10 Uhr feiert er mit den Pfarrern einen "Solidaritätsgottesdienst". "Unsere Aufgabe ist es zu vermitteln. Wir stehen ein für die, die zu uns kommen und für die, die diese Menschen unterstützten".
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