Bürgerinitiative gegen Stromtrasse: Energiedialog im Bedarfsplan nicht berücksichtigt
Ergebnisse und Einwände ignoriert

Von Entwarnung kann bei der Bürgerinitiative nicht die Rede sein. Noch immer könnte die Gleichstromtrasse das Speichersdorfer Gemeindegebiet berühren. Bild: hia
Politik BY
Bayern
07.04.2016
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Speichersdorf. Die Diskussion um die Notwendigkeit der Gleichstrompassagen ist noch lange nicht ausgestanden. Die derzeitige Ruhe um die Trassenführung sei trügerisch, bilanzierte die Bürgerinitiative (BI) "Speichersdorf sagt Nein zur Monstertrasse" in ihrer Mitgliederversammlung.

Wie BI-Sprecherin Annke Gräbner berichtete, habe die Bundesregierung im Bundesbedarfsplan Anfang 2016 festgelegt, dass Gleichstrompassagen und somit die umstrittene Süd-Ost-Trasse gebaut werden. Für Letztere sei Beginn in Wolmirstedt und der Endpunkt in der Nähe von Landshut. Für deren Bau sei nun statt Amprion die in Bayreuth ansässige Firma Tennet zuständig. Der Leitungsbau werde sich voraussichtlich bis 2024 hinziehen, meinte Gräbner. Durch den neuen Endpunkt und die vorrangige Erdverkabelung müsse der mögliche Verlauf komplett neu berechnet werden. Eine mögliche Route sei über den Ost-Bayern-Ring, von Redwitz durch Oberfranken und die Oberpfalz bis nach Schwandorf. Da der Verlauf auf kürzestem Weg erfolgen soll, befinde sich die Region um die Gemeinde Speichersdorf noch immer im Suchkorridor.

In Einzelgesprächen suche Tennet bereits im Vorfeld den Kontakt mit Landratsämtern, Bürgermeistern und BIs, um deren Erwartungen abzufragen. Informationsveranstaltungen für Bürger sollen aber frühestens Ende des Jahres stattfinden.

Die Ergebnisse des Energiedialogs in Bayern und die Einwände der Bürger und Initiativen, dass die Notwendigkeit der Süd-Ost-Passage nicht nachgewiesen ist, habe der Gesetzgeber nicht berücksichtigt, bedauerte die Rednerin. Nach wie vor stehe im Raum, dass die Süd-Ost-Passage überwiegend zum Transport von Kohlestrom gebaut wird. Dies stehe einer dezentralen bürgerfreundlichen Energiewende entgegen.

Am 29. Februar 2016 habe Staatsministerin Ilse Aigner zur Neuauflage des Energiedialogs nach München eingeladen. Dabei kritisierten die BIs, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer das Ergebnis des Energiedialogs 2015, "2-x" (zwei Trassen in Bayern minus x), zugunsten der Energieversorger und Großkonzerne verkauft haben. Zeitgleich verkündete der Staatsminister für Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Markus Söder, dass für HGÜ-Trassen eine Abstandsregelung von 400 Metern zu Ortschaften und 200 Metern zu einzelnen Gehöften gelten soll.

Norden braucht Strom selbst


Sobald im Norden die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, werde dieser den Windstrom selbst benötigen und nicht durch die Republik schicken können. Zudem dürften sich in Kürze Schiffe in Häfen nicht mehr mit Schweröl-Aggregaten mit Energie versorgen, sondern müssten diese vom Hafen beziehen.

Die Bürgerinitiative plant in den kommenden Monaten folgende Aktivitäten:

Besuch ZAE Arzberg (Speichertestzentrum für flüssige Wasserstoffträgermaterialien).

gemeinsame Kontaktaufnahme der umliegenden BIs mit dem Netzbetreiber Tennet

BI-Treffen im Juli.
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