Bundesanwaltschaft zieht Ermittlungen an sich
Selbstmordanschlag in Ansbach: Täter hatte offenbar direkten Draht zum IS

Bei der Explosion in Ansbach ging auch diese Schaukastenscheibe eines benachbarten Fotostudios zu Bruch. Bild: dpa
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Bayern
25.07.2016
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Tatort Ansbach: Ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien sprengte sich am späten Sonntagabend am Rande eines Musikfestivals in die Luft. 15 Menschen wurden verletzt. Die bayerische Staatsregierung geht fest davon aus, dass die Tat einen islamistischen Hintergrund hatte. Bild: dpa

Allem Anschein nach hat in Deutschland erstmals ein terroristischer Rucksackbomber zugeschlagen. Bayern geht beim Ansbacher Attentat von einem klaren islamistischen Hintergrund aus. Der Generalbundesanwalt hat die Terrormiliz IS im Verdacht.

Ansbach/Berlin. Der erste islamistische Selbstmordanschlag in Deutschland ist offenbar bittere Realität. Laut Bundesanwaltschaft besteht der Verdacht einer Mitgliedschaft des 27-jährigen Täters aus Syrien in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Einen radikalislamischen Hintergrund des Bombenattentats in Ansbach mit 15 Verletzten sieht auch die Landesregierung in München. Darauf deuteten die Umstände der Bluttat des Flüchtlings aus Aleppo "schon sehr" hin, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag.

Gegen Generalverdacht


Der Generalbundesanwalt übernahm nach Mitteilung vom Abend die Ermittlungen. Der Attentäter war laut IS-Sprachrohr Amak ein "Soldat des Islamischen Staates". Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) äußerte sich am Nachmittag in Berlin noch vorsichtiger: "Ein Bezug zum internationalen Terrorismus des sogenannten Islamischen Staates ist aus meiner Sicht ebenso wenig auszuschließen wie das Vorliegen einer besonderen Labilität dieser Persönlichkeit oder eine Kombination von beidem."

Er verstehe die Sorgen der Bevölkerung, sagte de Maizière weiter. Er mahnte zugleich Besonnenheit und warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Die ganz große Mehrheit komme nach Deutschland, um hier in Frieden zu leben: "Das muss sauber getrennt werden."

Herrmann sagte zu einem Bekennervideo des 27-jährigen: "Die Polizei hat bei der Auswertung der Handys, die bei dem Täter gefunden worden sind, unter anderem eine Videoaufnahme entdeckt, in der sich der Täter klar zum islamistischen Kampf bekennt."

Bombe im Rucksack


Der mutmaßliche Täter hatte am Sonntagabend bei einem Musikfestival einen Sprengsatz gezündet und sich damit selbst getötet. Er habe die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei dem Fest mit etwa 2500 Besuchern zünden wollen. Bei der Durchsuchung seiner Asylunterkunft sei eine Fülle von Materialien gefunden worden, die zum Bau weiterer Bomben geeignet gewesen wären.

Der Syrer war bereits vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Er hatte ab Februar 2015 eine Duldung erhalten, die mehrfach verlängert wurde. Im August 2014 hatte der Syrer den Angaben zufolge einen Asylantrag gestellt. Im Verfahren habe Bulgarien mitgeteilt, dass der Mann dort Flüchtlingsschutz hatte. In Deutschland sei mit Bescheid vom 2. Dezember 2014 der Asylantrag abgelehnt und die Abschiebung nach Bulgarien angeordnet worden. Während des Gerichtsverfahrens seien medizinische Atteste vorgelegt worden, die die psychische Labilität des Mannes untermauert hätten. Die Abschiebeandrohung sei zunächst aufgehoben und am 13. Juli dieses Jahres wieder aufgenommen worden. Laut Herrmann war der Mann vor kurzem erneut aufgefordert worden, Deutschland innerhalb von 30 Tagen Richtung Bulgarien zu verlassen.
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