Bundesversammlung der Sudetendeutschen
Verzicht auf Heimat

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen. Archivbild: dpa
Politik BY
Bayern
29.02.2016
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Ein Anspruch auf die alte Heimat? Die Sudetendeutschen haben daran lange festgehalten und intensiv darum gestritten. Nun haben sie auf die "Wiedergewinnung" offiziell verzichtet.

München. Die Sudetendeutschen halten nicht mehr am Ziel einer "Wiedergewinnung" ihrer Heimat fest: Nach langen Auseinandersetzungen um eine Satzungsänderung der Vertriebenenorganisation steht das nun fest. Die Abstimmung über den Passus bei der Bundesversammlung der Landsmannschaft in München sei mit einer Zustimmung von 72 Prozent eindeutig ausgefallen, teilte der Verband am Samstag mit.

Klage teilweise erfolgreich


Eigentlich war die Satzungsänderung bereits vor einem Jahr beschlossen worden. Kritiker hielten die Änderung allerdings für rechtsunwirksam und hatten mit einer Klage teilweise Erfolg. Nach Angaben der Landsmannschaft hat das Landgericht München I den damaligen Beschluss jedoch nur aus formellen Gründen gerügt, es sei um kurzfristig eingefügte Änderungen am Text gegangen. Inhaltlich sei die neue Satzung hingegen bestätigt worden. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft hatte daher den alten Antrag bei der Versammlung am Wochenende erneut zur Abstimmung gestellt.

Kurs des Brückenschlags


Die Sudetendeutschen haben ihre Wurzeln im heutigen Tschechien. Der mit 88 von 100 Stimmen wiedergewählte Sprecher der über die ganze Welt verstreuten Volksgruppe, der CSU-Europapolitiker Bernd Posselt, hatte die Satzungsänderung mit der seit Jahren praktizierten Annäherung an Tschechien begründet: "Selbstverständlich wollen wir unseren Kurs der Öffnung und des Brückenschlags fortsetzen." Kritiker warfen ihm vor, die Rechte der Sudetendeutschen "preiszugeben".

Die Sudetendeutschen: Der vierte StammAls Sudetendeutsche werden die ehemaligen deutschsprachigen Einwohner des Sudetenlandes bezeichnet. Die Bezeichnung leitet sich von dem rund 330 Kilometer langen Gebirgszug der Sudeten ab, der sich durch Böhmen, Mähren und Schlesien zieht. Der Name "Sudetendeutsch" setzte sich im 20. Jahrhundert als Sammelbegriff für die rund drei Millionen Deutschen in der früheren Tschechoslowakei durch. Ihre Vorfahren waren im 12. und 13. Jahrhundert aus dem heutigen Bayern, aus Sachsen, Schlesien und Österreich eingewandert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben, viele fanden in Bayern ein neues Zuhause. Der Freistaat hatte dann die Schirmherrschaft übernommen. Seitdem gelten die Sudetendeutschen als vierter Stamm Bayerns. (dpa)
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