CSU entscheidet im Juli über die Zukunft des Gymnasiums
G9 durch die Hintertür

Ungeliebtes G8: Eine Schülerin der Oberstufe streicht an einem Gymnasium der CSU liebstes Kürzel an einer Tafel durch, daneben lässt sie "G9" unberührt. Bild: dpa
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Bayern
17.04.2016
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Auf der Kabinettsklausur im Juli ist die Zukunft des Gymnasiums eines der großen Themen. Der Druck auf die CSU zur Rückkehr zum G9 nimmt weiter zu.

München. Jahrelang wollte die CSU eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium verhindern. Dann aber kam die "Mittelstufe plus" - womit Schüler an ausgewählten Pilotschulen die Mittelstufe nun wieder in vier statt in drei Jahren durchlaufen dürfen. Und die dortige "Abstimmung mit den Füßen" (so der Jubel der Opposition) ist eindeutig: Der weitaus größere Teil der Schüler und Eltern will wieder zurück zu einer neunjährigen Gymnasialzeit. Vollziehen Ministerpräsident Horst Seehofer und Kultusminister Ludwig Spaenle (beide CSU) nun die Wende?

Rückblende: Den Dauerstreit versuchte man mit einem neuen "Flexibilisierungsjahr" zu lösen. Schüler sollten in der Mittelstufe freiwillig ein Zusatzjahr einschieben und in dieser Zeit besondere Förderangebote nutzen können. Doch das Angebot floppte. Im Herbst 2014 zeigte sich die CSU erstmals offen für G9-Züge am Gymnasium: für Schüler mit "pädagogischem Bedarf".

Zum Schuljahr 2015/16 ging die Mittelstufe plus an den Start - zunächst aber nur an ausgewählten Pilotschulen. Dort können Siebtklässler nun selber ihren Weg wählen.

Jetziger Stand: Der Druck auf die CSU nimmt zu: An den 47 Pilotschulen, an denen die Mittelstufe plus erprobt wird, haben sich in diesem Jahr rund zwei Drittel der Siebtklässler und damit noch einmal mehr Schüler als im vergangenen Jahr für die längere Variante entschieden - da waren es "nur" 60 Prozent. Das Ministerium hatte mit einem Bedarf von ungefähr 25 Prozent gerechnet.

Vorschau : Auf der Kabinettsklausur im Juli dürfte die Zukunft des Gymnasiums ein zentrales Thema sein. Seehofer hat einen "vernünftigen Dialog" mit Spaenle, der CSU, mit Schülern, Eltern und Lehrern über die Ergebnisse der Pilotphase angekündigt. Die Landeselternvereinigung warnt vor einer überstürzten Entscheidung. Seehofer betont, der Zeitpunkt, wann eine Entscheidung getroffen wird, sei völlig offen - im Sommer oder erst nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen.

Die Optionen: Angesichts des großen Ansturms auf die Mittelstufe plus steht fest: Am Ende werden wieder mehr Schüler überall in Bayern neun Jahre aufs Gymnasium gehen - egal ob die CSU das Ganze dann Mittelstufe plus oder G8 plus oder sonst irgendwie nennt (nur G9 scheidet wohl aus).

Möglicherweise wird der Druck aber am Ende auch so groß, dass die CSU sich entscheiden muss, ob sie nicht grundsätzlich zum G9 zurückkehrt - und schnellen Schülern, die dies wollen, eine um ein Jahr verkürzte Variante anbietet.
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