CSU-Vorsitzender erleidet Schwächeanfall
Schreck um Seehofer

Horst Seehofer vor gut einer Woche im Münchener Presseclub. Bild: dpa
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Bayern
19.01.2016
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Aufregung bei der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth: Gegen Ende seiner Rede erleidet Horst Seehofer einen kleinen Schwächeanfall. Doch Generalsekretär Andreas Scheuer gibt nach kurzer Zeit Entwarnung.

Kreuth. Das Gespräch Horst Seehofers mit den Medienvertretern hat sich von der klirrenden Kälte vor dem Tagungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth längst ins wohlig beheizte Innere verlagert, als der CSU-Chef doch noch einen Blick in seine Seele gewährt. Mit Langmut hat er vorher wieder und wieder erklärt, warum es einer Wende in der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel bedürfe.

Er tat dies bestimmt, aber ohne Schärfe. Fristen oder gar Ultimaten wollte er keine setzen, man müsse einfach schauen, wie Merkel auf die von der CSU geforderten Schritte reagiere. Etwa eine halbe Stunde geht das so. Als Seehofer schon im Gehen ist, ereilt ihn aus der Runde eine letzte Frage: "Wie lang ist Ihr Geduldsfaden?", will einer wissen. Seehofer hält inne, schnauft durch und haucht dann mehr, als dass er spricht: "Es fällt schon schwer, es fällt extrem schwer!"

Wie es noch tiefer in ihm ausschaut, weiß wohl auch Seehofer in diesem Moment noch nicht. Keine zwei Stunden später jedenfalls passiert das, was Augenzeugen als "kleine Schrecksekunde" bezeichnen. Bei seiner Rede vor den Abgeordneten der CSU-Fraktion in Kreuth sackt Seehofer plötzlich zusammen und muss gestützt werden. Es ist wohl nichts Ernstes, nur ein Schwächeanfall nach einem wegen einer Grippe im Bett verbrachten Wochenende.

Der eilends herbeigerufene Notarzt muss nicht eingreifen, bleibt aber zur Sicherheit vor Ort. Nach kurzer Pause bringt Seehofer seinen Vortrag im Sitzen zu Ende. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gibt anschließend Entwarnung: "Er ist o.k., es geht ihm gut." Seit einer Herzmuskelentzündung 2002 mit beinahe tödlichem Ausgang sind Fragen um Seehofers Gesundheit ein ständiger Begleiter.

An der Stimmungslage der Abgeordneten auf ihrer Klausur ändert der Zwischenfall nichts. Viele bringen bezüglich Merkel nicht so viel Zurückhaltung auf wie Seehofer. Eine Gruppe von 30 Abgeordneten hat an deren Adresse sogar eine Brandbrief verfasst. Tenor: In der Flüchtlingspolitik kann es so nicht weitergehen. Wenn Merkel heute am späten Nachmittag nach Kreuth kommt, wird sie das zu spüren bekommen. Kreuzer verspricht eine zwar "menschlich freundliche Diskussion", aber Härte in der Sache.

"Keine Abstriche"


"Wir können von unseren Forderungen keine Abstriche machen", stellt er klar. Die sind seit Wochen die gleichen: Begrenzung der Zuwanderung und Beschleunigung der Asylverfahren. In der für Kreuth vereinbarten Sprachregelung heißt das, dass die CSU für "lückenlose Grenzkontrollen" und die konsequente Zurückweisung unberechtigt um Schutz anfragender Menschen eintritt.

Merkel kennt die CSU-Positionen, die offenbar auch von einer großen Mehrheit der Bayern mitgetragen werden. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage (siehe Hintergrund). Diese Zustimmung im Rücken erklärt Seehofer, man werde gegenüber Merkel "unsere Argumentation so lange wiederholen, bis das Ziel erreicht ist".

Frage der Zeit


Seehofer geht dabei nicht so weit wie der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber, der am Wochenende erklärt hatte, eine Lösung der Flüchtlingsfrage müsse her - egal ob mit oder ohne Merkel. "Wir wollen mit ihr eine Lösung, aber ich betone: Wir wollen eine Lösung." Bei ihrem Besuch in Kreuth werde es die wohl noch nicht geben, mutmaßt Seehofer. Aber die Hoffnung lebt noch. Merkel werde ihre Haltung schon noch ändern, meint Innenminister Joachim Herrmann, "es ist nur die Frage, wie lange es dauert".

Auch wenn vor allem Finanzminister Markus Söder drängelt, bis zu den drei Landtagswahlen im März will die CSU der Kanzlerin noch Schonung gewähren. Wobei sich Seehofers da auch noch ein Hintertürchen offen lässt. "Ich halte nichts davon, den weiteren Zeitplan an irgendwelchen Daten festzumachen", sagt er. Drei Sätze weiter ergänzt er aber: "Es wird Woche für Woche dringlicher. 2016 muss eine Wende in der Flüchtlingspolitik bringen." (Hintergrund)
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