Der dunkle Teil des Internets
Drehscheibe Darknet

Politik BY
Bayern
26.07.2016
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Drogen, Waffen, Kinderpornografie, Falschgeld und Datenklau: Im anonymen Darknet blühen illegale Geschäfte. Allerdings wird der dunkle Teil des Internets auch von Bürgerrechtlern und Aktivisten genutzt.

Frankfurt. Bei einer Razzia gegen Betreiber und Nutzer deutschsprachige Wirtschafts-Foren im Darknet sind Anfang des Jahres neun Verdächtige festgenommen worden. Es ging um Handel mit Waffen, Drogen, Falschgeld, gefälschten Ausweisen und Datenspiognage. Der Amokläufer von München soll sich seine Waffe ebenfalls im Darknet beschafft haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem anonymen Teil des Internets.

Was ist das Darknet?

Das sogenannte Darknet (Englisch für: dunkles Netz) ist ein verborgener Teil im auf offenen Austausch angelegten World Wide Web und nach Einschätzung von Fachleuten in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wie in einer Art Paralleluniversum werden abgeschirmte Verbindungen hergestellt. Es ist über herkömmliche Suchmaschinen nicht zu finden, notwendig ist eine Verschlüsselungssoftware und häufig auch eine Einladung, um den Zugang zu erhalten. Die Webseiten sind themenbezogene Datenbanken und Foren sowie Verkaufs-Plattformen für Drogen, Waffen und andere verbotene Waren.

Wer nutzt das Darknet?

Im Darknet können sich Internetnutzer fast ganz anonym bewegen. Das ist für Menschen interessant, die großen Wert auf Privatsphäre legen oder die in einem repressiven politischen System leben und ihre Meinung äußern wollen. Kriminelle nutzen die Anonymität für ihre Geschäfte aus.

Wie kommt ein Internetnutzer ins Darknet?

Der Zugang ist nur über eine Anonymisierungssoftware möglich. Die bekannteste ist die kostenlose Software "Tor", es gibt aber noch andere. "Tor" stand ursprünglich für "The Onion Router". Mit der Freeware werden Datenpakete nach dem Zwiebelschalenprinzip zwischen Servern verschlüsselt weitergeleitet. Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und Nachfolger, aber nicht die gesamte Verbindung. Die IP-Adresse des Nutzers wird auf diese Weise getarnt.

Welche Rolle spielen Drogen im Darknet?

Schwerpunkt der illegalen Geschäfte im Darknet ist nach Einschätzung von Ermittlern Rauschgift. Vor allem synthetische Drogen wie Amphetamine werden gehandelt, aber auch Heroin, Kokain, Cannabis und Ecstasy. Auf nur einer Verkaufs-Plattform gibt es dafür mehr als 10 000 Angebote. Wie viele Plattformen es im Darknet gibt, weiß niemand genau. "Das Darknet verändert sich ständig", sagt der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), Georg Ungefuk. "Plattformen verschwinden, und neue kommen hinzu." Allein auf einer nichtkommerziellen englischsprachigen Website über das Darknet und seine Angebote (deepdotweb.com) finden sich mehr als 20 solcher Plattformen.

Welche Rolle spielt der Waffenhandel im Darknet?

Waffen werden im Darknet nach Erkenntnissen von Fachleuten deutlich seltener angeboten als Drogen, sind aber angesichts der Sicherheitslage Schwerpunkt der Ermittlungen. Etwa 20 bis 30 Menschen seien allein 2015 wegen Waffendelikten im Darknet identifiziert worden, sagt Ungefuk. Ein Mann aus Idar-Oberstein beispielsweise, der eine halbautomatische Kurzwaffe und einen Schießkugelschreiber im Darknet erstanden hat, wurde kürzlich von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz angeklagt. Die Polizei konnte eingreifen, als der 25-Jährige eine Pistole und eine Handgranate kaufen wollte.

Welche anderen Waren werden vor allem im Darknet noch gehandelt?

Die Ermittler nennen Kinderpornografie, Falschgeld, gefälschte Pässe und Plagiate als Beispiele. Ebenfalls zum Verkauf stünden ausgespähte Daten etwa von Kreditkarten und Online-Banking sowie gefälschte Internet-Zugänge. Angeboten werden aber auch weiche Drogen, die in manchen Ländern legal sind, in anderen nicht.

Wie wird im Darknet bezahlt?

"Die verbotenen Geschäfte leben von anonymer Kommunikation, anonymen Zahlungen und Tricks bei der Lieferung", sagt Ungefuk. Die Käufe laufen über elektronische Währungen wie etwa "Bitcoin". Der mutmaßliche Waffenkäufer aus Idar-Oberstein beispielsweise wollte seine so gekaufte Ware an eine Hoteladresse in Leipzig und eine Packstation in Bad Kreuznach liefern.
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