Drei große Höchstspannungstrassen geplant - Mehr Windstrom bei der Ost-Süd-Leitung - Merkel ...
Netzbetreiber trotzen "Stromrebell" Seehofer

Politik BY
Bayern
05.11.2014
8
0
Am Anfang steht immer die "Raum-Widerstands-Analyse". Wo sind Naturschutzgebiete, wo drohen Probleme? Nicht so sehr auf der Rechnung hatten die Betreiber von Deutschlands Stromautobahnen das Hindernis Horst Seehofer. Bayerns Ministerpräsident hat sich quasi an die Spitze der Bewegung gegen neue "Monster-Trassen" gesetzt.

Ihn interessiere "nicht so sehr, welche Striche zeichnen wir durch Deutschland", stichelt er am Dienstag beim Arbeitgebertag gegen die wenige Stunden zuvor veröffentlichten neuen Ausbaupläne der vier Übertragungsnetzbetreiber. Denn die halten weiter an drei großen Höchstspannungstrassen vom Norden und Osten in den Süden fest. Seehofer traut ihnen aber nicht. Er meinte jüngst, ihr Hauptmotiv sei der Profit, die Ausbaupläne seien reine "Kapitalsammelstellen".

Warum die lange Leitung?

Schon jetzt werden die 2800 Kilometer an neuen Trassen und 2900 Kilometer, die aufgerüstet werden sollen, rund 22 Milliarden Euro kosten - ohne Erdverkabelung. Kann aber der Windstrom aus dem Norden Versorgungssicherheit in Bayern garantieren, fragt Seehofer bei den Arbeitgebern. Und er will "eine saubere Systemanalyse für die Netze, damit uns da nicht die Kosten über den Kopf wachsen". Und warum eine lange Leitung von Sachsen-Anhalt durch Thüringen nach Ostbayern?

Auch den durch die Mitte Deutschlands verlaufenden SuedLink sieht er kritisch. Er will bis Februar entscheiden, ob er beides akzeptiert, oder gar keine Leitung, oder aber nur eine. "Ich möchte es immer gern schriftlich", sagt Seehofer. Doch zumindest von Fachseite hat er es nun. Der neue Entwurf für den Netzausbau, in den auch die gekappten Ausbauziele bei Windenergie in Nord- und Ostsee sowie bei Windkraft an Land eingeflossen sind, haben nur wenig am Bedarf verändert.

Das meinen zumindest die Netzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und TransnetBW, die monatelang noch einmal alles durchgerechnet haben. Sie bringen auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Zugzwang. Sie muss nun Farbe bekennen, ob sie ihrem Rat folgt oder ob sie den Netzausbau eindampft und die Energiewende komplett auf den Prüfstand muss. Das Ganze könnte auch Thema eines Koalitionsgipfels werden, heißt es. In ihrem überarbeiteten Entwurf halten die Unternehmen vor allem an der umstrittenen Ost-Süd-Trasse fest. Sie soll nun aber nicht mehr in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) in der Nähe eines Braunkohlereviers starten, sondern 110 Kilometer weiter nördlich bei Magdeburg, um mehr Windstrom einzusammeln.

Bis zu 30 Prozent teurer

Nun muss die Bundesnetzagentur entscheiden, ob sie den Vorschlag übernimmt. Ohne die großen Trassen in den Süden könnten die Einkaufspreise für Strom in Bayern bis zu 30 Prozent teurer werden, warnt der Vertreter eines Übertragungsnetzbetreibers. Bisher geht die Industrie dorthin, wo der Strom am günstigsten ist. Tennet-Vorstand Lex Hartman stichelt, ohne die Trassen könnten aus den Bayerischen Motorenwerken (BMW) die "Bremer Motorenwerke" werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.