Edmund Stoiber feiert am Mittwoch 75. Geburtstag
Kritisch, korrekt, knallhart

Bayerns ehemaliger Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber ganz entspannt am Seehaus im Englischen Garten in München. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
27.09.2016
23
0

Seine Leidenschaft gehört dem Fußball, sein Herz der Politik: Edmund Stoiber feiert am heutigen Mittwoch seinen 75. Geburtstag. Die Meinung des ehemaligen Ministerpräsidenten ist immer noch gefragt.

München. Pünktlichkeit war noch nie Edmund Stoibers große Stärke. Zwar hat der Druck im Terminkalender des ehemaligen CSU-Chefs und bayerischen Ministerpräsidenten nachgelassen. Der Blick auf die Armbanduhr mit weißem Zifferblatt ist aber allgegenwärtig. Kurz, unauffällig, stetig - auch neun Jahre nach seinem unfreiwilligen Rücktritt als Regierungschef kann sich Stoiber nicht über Langeweile beklagen: Aufsichtsrat des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München, Vorsitzender des Beirats der ProSiebenSat1. Media AG, Mitglied im deutsch-russischen Rohstoff-Forum, CSU-Ehrenvorsitzender, Anwalt, TV-Auftritte, Podiumsdiskussionen, Ehemann, Vater, Opa.

Auch bei der Planung seines 75. Geburtstages an diesem Mittwoch spielen Terminkalender eine wichtige Rolle, obwohl er nur mit der Familie feiern will. "Den Geburtstag selbst feiere ich alleine mit meiner Frau, das ist ja mitten unter der Woche", sagt Stoiber. Der Rest der Familie sei beruflich eingespannt. "Wir werden aber alle zusammen den Geburtstag nachfeiern."

Nie geplante Karriere


Stoiber genießt nach eigenen Worten die Zeit abseits der aktiven Politik, einer Karriere, die er so nie geplant hatte: Von 1974 bis 2008 Mitglied des Bayerischen Landtags, CSU-Generalsekretär, Staatssekretär, Innenminister, Leiter der Staatskanzlei und 14 Jahre Ministerpräsident. 2002 war er Kanzlerkandidat der Union, nach Franz Josef Strauß der bis heute einzige aus der CSU.

"Ich bin froh, dass ich mir als Rechtsanwalt eine Infrastruktur schaffen konnte, mit der ich aktiv bleiben kann", sagt Stoiber. Selbstbestimmter sei er nun, es gefalle ihm sehr, selbst entscheiden zu können, durch welche Tür er geht. Politisch sei er nach wie vor. "Ich beobachte das Spiel, mache mal einen Zwischenruf, aber ich stehe nicht mehr auf dem Platz."

2016 ist Stoibers Meinung noch immer gefragt, besonders - aber nicht nur - in Bayern. Nachdem er sich in den vergangenen Jahren sehr zurückgehalten hat und als Sonderberater der EU-Kommission in Brüssel aktiv war, meldet er sich nun wieder häufiger zu Wort. "Grundsätze in der Politik über den Tag hinaus zu denken ist das Privileg desjenigen, der 40 Jahre Politik gemacht hat, der fast 25 Jahre einem Kabinett angehört hat", sagt Stoiber.

Schnell in Rage


Aktuelle Themen sind die Flüchtlingspolitik, die Zukunft Europas und die Krise der Union. Da redet er sich schnell in Rage, sprüht vor Leidenschaft: "Natürlich mache ich mir Gedanken, sie betreffen zwar primär die CSU, damit verbunden aber natürlich auch die Union insgesamt." Aber auch der Zustand der CDU bewegt ihn: "Ich komme noch aus einer Zeit, als die CDU in Baden-Württemberg mal über 50 Prozent hatte. Das schmerzt einen", meint er mit Blick auf die mageren Ergebnisse der Unionsschwester bei vergangenen Landtagswahlen. Den Streit in der Union hält Stoiber aber dennoch ebenso für unvermeidbar wie einen Kurswechsel mitsamt Obergrenze und Leitkultur. "Es geht um die richtige Politik", betont er. Die immer in Zeiten von großen Koalitionen "verkümmerte politische Debatte" müsse beendet werden. "Die Große Koalition muss die Ausnahme sein. Ich glaube, dass wir die offenere politische Diskussion brauchen." Und mehr Gefühl. "Manche politische Eliten, manche Anhänger des Bildungsbürgertums, glauben, dass Politik nur ratio ist, sich Gefühle nur mit Fakten bekämpfen lassen", meint er kritisch. Um verlorenes Vertrauen bei Wählern zurückzugewinnen, brauche es auch Emotionen.

"Sein" FC Bayern


Stoibers Blick auf Europa hat sich verändert: "Es ist doch klar, wenn man in der Tagespolitik steckt und die deutschen Interessen verfolgt, dann ist man in der Kampfsituation und dann schimpft man". In der gegenwärtigen Situation brauche es aber eine Rückbesinnung auf die europäische Idee: "Europa war für meine Eltern faszinierend, weil es Frieden bedeutet", betont Stoiber.

Auch abseits der Politik ist Stoiber aktiv. Seine große Leidenschaft gehört dem Fußball. "Ich bin ja länger beim FC Bayern München als bei der CSU", sagt er und übt sich in bajuwarischer Bescheidenheit. "Ich freue mich, dass ich als Aufsichtsrat und Vorsitzender des Verwaltungsrates des Vereins mit dabei bin und was bewegen kann." Bayern München und Bayern hätten den gleichen Weg eingeschlagen: "Wir haben vom unteren Mittelplatz eine Topposition erreicht."

So sehr Stoiber nach eigenen Aussagen auch mit sich im reinen sei, eines bedauert er: das Scheitern des Baus der Transrapidstrecke zum Münchner Flughafen. "Das wäre noch etwas Besonderes gewesen. Aber es ist wie immer im Leben. Es ist kein Wunschkonzert."

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.