Ein Video vom Parkdeck geht um die Welt
Schrei-Duell

Politik BY
Bayern
24.07.2016
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München. Das Handy-Video dauert nicht einmal zwei Minuten - doch es zeigt eine Schlüsselszene am Ende des Amoklaufs am Freitagabend in München. Während die Polizei aufgrund erster Zeugenaussagen noch von einer "akuten Terrorlage" ausgeht, während Panik über der Stadt liegt, kursiert diese Sequenz plötzlich im Internet: ein Schrei-Duell zwischen einem Bewaffneten auf einem Parkdeck und einem Anwohner. Die Aufnahme legt nahe, was die Polizei zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß oder jedenfalls noch lange nicht kommuniziert: dass es sich bei der Bluttat mit neun Todesopfern eher um die Tat eines Einzelnen handelt als um das Werk einer organisierten Terrorgruppe.

Inzwischen ist klar und von den Behörden bestätigt: Auf dem Video ist tatsächlich der Täter zu sehen und zu hören. Möglicherweise hat dieses knapp zweiminütige verbale Duell dazu beigetragen, dass am Ende nicht noch mehr Tote zu beklagen waren. Dann wären diese zwei Männer - unwissentlich - zu Helden dieses furchtbaren Abends in München geworden: der Baggerfahrer Thomas Salbey (57), der den Amok-Schützen angebrüllt und wüst beschimpft hat. Und Mersad (20), der den Täter und das Wortgefecht gefilmt hat. "Ich habe sogar versucht, ihn mit der Bierflasche zu treffen", erzählt Salbey der "Welt am Sonntag". "Aber sie ist da vorne an der Überführung zum Parkdeck zersplittert."

Fakt ist: Der Amok-Schütze hat sich von Salbey aufhalten lassen, mindestens für zwei Minuten. Der Gewalt-Deeskalationstrainer Heinz Kraft erklärt, dass Salbey - wohl unwissentlich - genau richtig gehandelt hat: "Er hat den Täter aus dem Konzept gebracht. Er hat ihn irritiert."

BreivikNach dem Attentat eines 18-Jährigen in München gehen die Ermittler von einem Zusammenhang zum Massenmörder Anders Behring Breivik aus. Der rechtsradikale Norweger tötete bei einem Bombenanschlag in Oslo und einem Massaker auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 insgesamt 77 Menschen. Breivik wurde 2012 zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt. Die meisten Opfer waren Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren, die auf Utøya an einem Sommerlager der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei teilnahmen. Breivik schoss auch noch auf sie, als sie am Boden lagen oder durch das Wasser zu fliehen versuchten.

Zuvor hatte er im etwa 40 Kilometer entfernten Oslo eine Autobombe gezündet. Sie sollte die Polizei ablenken. Dort starben acht Menschen. (dpa)
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