Eine Woche nach dem Münchener Amoklauf
Mitwisser auf freiem Fuß

Politik BY
Bayern
30.07.2016
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Nach dem Amoklauf in München plant die Stadt ein Denkmal für die Opfer. Unterdessen dementiert das LKA, dass es eine zweite Waffe geben könnte. Und die Polizei reagiert auf Medienkritik.

München. Eine Woche nach dem Amoklauf eines 18-Jährigen in München mit zehn Toten hat am Freitag das Gedenken im Mittelpunkt gestanden. Um der neun Opfer zu gedenken, soll auf Antrag mehrerer Stadtratfraktionen direkt am Tatort Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ein Denkmal gebaut werden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßte den Vorstoß, "die Erinnerung wach zu halten". Das Geschehen am OEZ habe "unvorstellbares Leid über die Familien der Opfer gebracht".

Derweil laufen die Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) weiterhin auf Hochtouren - nach einer zweiten Waffe wird jedoch nicht gesucht. Einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Zeugen den Schützen mit einer möglichen zweiten Waffe gesehen haben, dementierte ein LKA-Sprecher am Freitag: "Weder der Staatsanwaltschaft noch der Sonderkommission liegen Zeugenaussagen vor, dass bei dem Amokläufer eine zweite Waffe gesehen wurde." Der mögliche 16-jährige Mitwisser des Schützen bleibt derweil bis auf Weiteres auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hatte vergeblich versucht, beim Münchener Amtsgericht einen Haftbefehl für den Jugendlichen zu erwirken. "Der Amtsrichter hat am Freitag unseren Antrag abgelehnt", sagte Staatsanwalt Florian Weinzierl. Das Gesuch wurde noch am selben Tag beim Landgericht eingereicht. Weinzierl rechnet aber erst ab Montag mit einer Entscheidung.

Mit "Gelassenheit" reagierte derweil nach eigener Aussage die Münchener Polizei auf einen Bericht der Tageszeitung "taz". Diese kritisierte unter anderem, dass bewaffnete Zivilbeamte nicht als Polizisten zu erkennen gewesen waren und so für weitere Täter gehalten wurden. Auch dass ein Beamter den Amokschützen verfehlt hätte, wurde der Polizei vorgeworfen. "Der betreffende Schütze hätte den Täter selbst gerne getroffen", sagte Polizeisprecher Thomas Baumann. "Aber nicht jeder Polizist ist ein SEK-Beamter, und die Qualität der Treffergebnisse ist nicht bei jedem gleich."

Verbesserungsmöglichkeiten sieht der damalige Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, Stephan Rudolph: "Ich sehe insbesondere im Training Verbesserungspotenzial, dass man das speziell für die Terrorgeschichte noch verstärkt trainiert mit allen Beteiligten."
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