Erwin Huber wird 70
Schelmischer Malocher

Sagt seine Meinung unverblümt: Erwin Huber. Der CSU-Politiker feiert am Dienstag seinen 70. Geburtstag. Archivbild: dpa
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Bayern
24.07.2016
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Einmal tief durchschnaufen, dann war es geschafft. Erwin Huber hatte gerade die wichtigste Rede seiner politischen Laufbahn gehalten. Es ging für ihn auf diesem Parteitag im Herbst 2007 um alles. Am Dienstag wird er 70 Jahre alt.

München. Edmund Stoiber hatte den CSU-Vorsitz niedergelegt und Huber, der ewige Kärrner aus der zweiten Reihe, wollte sein Nachfolger werden. Gegen Horst Seehofer. Beide schätzten sich so wenig wie einen Ganzkörperausschlag. Legendär der Huber zugesprochene Satz, noch am Sterbebett werde er die Hand heben, um Seehofer zu verhindern. An diesem Tag tat er es mit Worten.

Huber kann Bierzelt, er kann Parteitag, aber diesmal war nichts leicht. Statt zu reden, schwitzte und presste er die Worte heraus. Doch es reichte. Er war am Ziel. Er, der bodenständige Erwin Huber aus Reisbach in Niederbayern, stand nun in einer Reihe mit seinem Förderer Franz Josef Strauß.

Der Traum währte aber nur ein Jahr. Die Landtagswahl 2008 geriet für die CSU unter dem Vorsitzenden Huber zum Desaster. Erstmals seit über vier Jahrzehnten war die absolute Mehrheit futsch. Aschfahl stolperte und haspelte sich Huber durch die Wahlnacht, noch kämpfte er um sein Amt. Erst Tage später folgte die Einsicht, dass die Luft an der Spitze zu dünn für ihn war, dass er für ganz oben zu wenig vom Alphatier-Gen mitbekommen hatte.

Gut organisiert


Wenn Huber an diesem Dienstag 70 wird, sind diese beiden Tage die markantesten auf einem beeindruckenden Lebensweg. Mit 17 Azubi in der bayerische Finanzverwaltung, mit 24 schon als junger Beamter ans Finanzministerium beordert. Nebenher Abitur am Abendgymnasium nachgeholt und in München Volkswirtschaft studiert. Wie er es schaffte, trotz dieser Belastungen im 100 Kilometer entfernten Heimatkreis Dingolfing eine politische Karriere zu starten und auch noch eine Familie zu gründen, ganz ohne Smartphone, Internet, ja nicht einmal Autobahn - aus heutiger Sicht ein Rätsel.

Wie kein Zweiter prägte Huber das Image dieses Amtes als lautsprechender Wadlbeißer. Angriffslustig nach vorne gebeugt und mit blitzenden Augen gab er sechs Jahre lang die Abteilung Attacke in der CSU. Aber schon damals konnte man ahnen, dass Huber keiner für staatstragende Spitzenjobs ist. Als Strauß 1988 starb, wirkte Huber beim Trauerakt am Rednerpult neben all den Gästen aus Politik, Kultur und Wirtschaft eben doch wie der Bub aus Reisbach.

Doppelspitze gescheitert


Vom Azubi im Finanzamt zum Chef der bayerischen Finanzverwaltung - das war nach seinem Geschmack. Damit hätte es genug sein können. Doch dann strauchelte Stoiber, die CSU-Fraktion rebellierte im Januar 2007 in Kreuth und Huber sollte mit Günther Beckstein die neue Doppelspitze sein - auch um Seehofer zu verhindern. Der Rest ist Legende. Ein Jahr später wurde Seehofer der uneingeschränkte Herrscher der CSU. Auch weil Huber gescheitert war.

Mit seinen damals 62 Jahren hätte Huber dem Vorbild Becksteins folgen und sich zurückziehen können. Aber er fühlte sich noch nicht fertig. Wie Phoenix aus der Asche entstieg er dem Wahldesaster überraschend als oberster CSU-Wirtschaftspolitiker im Landtag, er ist es bis heute. Und er legt sich noch immer gerne mit Seehofer an. Die spezielle Parteifreundschaft ist eine Art Lebenselixier.

Den Wirtschaftsausschuss führt Huber inzwischen mit gütiger Strenge, ohne die Härte früherer Tage. Selbst die Opposition kann dem altersweisen, gerne feixenden Mann nicht richtig böse sein. "Sie wissen doch, ich mache keine Tricksereien", bog sich er kürzlich einmal schelmisch grinsend die Wahrheit ein wenig zurecht - und alle schmunzelten. Wenn Huber heute streitet, dann tut er das nicht mit Blitzen in den Augen, sondern mit dem Schalk im Nacken.

Kämpfer in der zweiten ReiheAls 32-Jähriger zog Huber 1978 in den Landtag ein. Dort wurde Strauß auf den akribischen Arbeiter mit der scharfen Zunge aufmerksam und machte ihn 1987 zum CSU-Generalsekretär. Vom Generalsekretär holte Ministerpräsident Edmund Stoiber Huber 1994 als Leiter der Staatskanzlei an seine Seite. Wieder ein Kärrnerjob in der zweiten Reihe, wieder war es Huber, der die für den Chef gedachten Pfeile auf sich ziehen musste.

Zum Beispiel als er mit dem Satz "Wer den Teich trocken legen will, darf die Frösche nicht fragen" Stoibers rigorose Verwaltungsreform gegen alle Widerstände exekutierte. Insgesamt acht Jahre machte Huber den Job, was ihm zu der falschen und wenig vorteilhaften Prominenz als Stoibers Hausl und Handlanger beim Politiker-Derbleckn auf dem Nockherberg verhalf. Seine glücklichste Zeit hatte Huber als Finanzminister. (jum)
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