Erzbistum München mit mehr als sechs Milliarden Euro Vermögen
Krösus Kirche

Hinter den Mauern wartet ein Vermögen: Eine Nonne steht vor dem Erzbischöflichen Ordinariat in München. Archivbild: dpa
Politik BY
Bayern
21.06.2016
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Der Skandal um den Protzbau des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst hat die katholische Kirche zum Umdenken gezwungen. Immer mehr Bistümer machen ihren Besitz transparent - jetzt München. Das Gesamtvermögen der Erzdiözese ist beträchtlich.

München. Das Erzbistum München-Freising hat zum ersten Mal sein Vermögen bewertet und ist auf rund sechs Milliarden Euro gekommen - ein Rekordwert in Deutschland. Die Besitztümer von 750 eigenständigen Pfarrkirchen- und Pfründestiftungen auf dem Gebiet des Erzbistums seien in der Bilanz noch nicht enthalten, sagte Generalvikar Peter Beer am Montag.

Einen Großteil des Vermögens - rund zwei Milliarden Euro - hat die Kirche Stiftungen zugewiesen, die dem direkten Zugriff des Erzbistums entzogen sind und von unabhängigen Experten kontrolliert werden. Die Erträge dürfen nur zweckgebunden für Seelsorge, Wohlfahrtspflege und Bildung verwendet werden.

Konkurrenz mit Chicago


Nach dem Finanzskandal um den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hatten sich etliche der 27 katholischen Diözesen in Deutschland entschieden, mit den Finanzen transparenter umzugehen. Bisher galten Paderborn (rund 4 Milliarden Euro Vermögen) und Köln (3,4 Milliarden Euro) als die reichsten Bistümer. Jetzt konkurriert München mit Chicago (USA) um den Titel der reichsten Diözese der Welt.

Für den Münchener Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx ist das heikel. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gehört zu den engsten Beratern des Papstes und koordiniert den Wirtschaftsrat im Vatikan. Franziskus fordert dabei immer wieder eine "arme Kirche für die Armen".

"Arm an sich als solches ist ein relativer Begriff", sagte Beer. "Diese Möglichkeiten, die wir haben, sind kein Selbstzweck, dass wir uns das möglichst schön und bequem machen, sondern dass wir unseren Auftrag erfüllen." Das Erzbistum unterstütze die kirchlichen Hilfswerke in den Entwicklungsländern und setze sich insbesondere für das Partnerland Ecuador ein. Für die Kirche gelte, was Jesus laut Neuem Testament gesagt habe: "Ihr könnt nicht beiden dienen - Gott und dem Mammon." Dies dürfe kein bloßes Lippenbekenntnis sein, mahnte der Generalvikar.

Großteils Immobilien


Den Wert Hunderter kirchlicher Gebäude, Grundstücke, Kunstgegenstände, Verträge, Anlagen und Kapitalrücklagen hat das Erzbistum München und Freising erstmals in einem Jahresabschluss aufgelistet. Die Bilanzsumme beträgt demnach 3,3 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon sind Immobilien und andere Sachanlagen im Wert von 1,3 Milliarden Euro; hinzu kommen Finanzanlagen von 1,5 Milliarden Euro und liquide Mittel von 440 Millionen Euro.

Die Stiftungen sollen das Vermögen langfristig sichern, um auch das kirchliche Leben künftiger Generationen fördern zu können, erläuterte der Erzbischöfliche Finanzdirektor Markus Reif:

Die Bischof-Arbeo-Stiftung verfügt über 633 Millionen Euro, die Erträge sind für Bildungsaufgaben bestimmt. Dazu gehören 421 Kindertagesstätten und 22 katholische Schulen.

In der St.-Antonius-Stiftung sind 680 Millionen Euro veranlagt. Die Erträge dienen karitativen Zwecken. Der Caritasverband und andere katholischen Träger im Erzbistum betreiben 1300 soziale Einrichtungen für Kinder, Jugendliche, Senioren, Kranke, Pflegebedürftige, Behinderte und Flüchtlinge.

620 Millionen Euro liegen in der St.-Korbinian-Stiftung, die dem gemeindlichen Leben in den 748 Pfarreien zugute kommen soll.

Hinzu kommen die Emeritenanstalt, die mit 237 Millionen Euro die Pensionen der Priester sichert, und der Erzbischöfliche Stuhl mit einer Bilanzsumme von 56 Millionen Euro. Das Domkapitel ist in der Bilanz noch nicht enthalten.

Für den Jahresabschluss 2015 hat das Erzbistum seine Finanzverwaltung von der sogenannten kameralistischen Buchführung auf die Doppik umgestellt, also auf das kaufmännische Rechnungswesen mit doppelter Buchführung in Konten.

Andere BistümerNoch nicht alle Bistümer haben wie München ihr Vermögen offengelegt. Eine Übersicht:

Das Bistum Regensburg will die Bilanzen seiner Vermögensträger schrittweise ab November 2016 veröffentlichen.

Das Erzbistum Bamberg will bis nächstes Jahr eine "vollständig HGB-konforme Rechnungslegung" vollziehen und kündigte für den Jahresabschluss 2018 "eine Veröffentlichung inkl. Geschäftsbericht" an. Bereits 2013 wurden Vermögenswerte des Erzbistums in Höhe von 370 Millionen Euro und des Erzbischöflichen Stuhls von 1,5 Millionen Euro offengelegt.

Das Bistum Augsburg veröffentlichte erstmals zum 31. Dezember 2014 die vollständigen Jahresabschlüsse für die Diözese, den Bischöflichen Stuhl sowie das Domkapitel. Das Bistum kam auf eine Bilanzsumme von 603 Millionen Euro, der Bischöfliche Stuhl auf 628 Millionen Euro, das Domkapitel auf 3,3 Millionen Euro.

Im Bistum Eichstätt wird nach Angaben eines Sprechers derzeit mit Hochdruck daran gearbeitet, die erste "vollständige Eröffnungsbilanz" nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) zu erstellen. Diese soll am 1. Januar 2017 veröffentlicht werden.

Das Bistum Passau veröffentlichte im Dezember 2014 die Finanzmittelbestände des Bischöflichen Stuhls (190 Millionen Euro) und der Diözese (280 Mio. Euro). Das Gesamtvermögen wurde damit noch nicht abgebildet, wie das Bistum Passau einräumte. (dpa)
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