Eugen-Biser-Preis für Charlotte Knobloch
Erste jüdische Preisträgerin

Politik BY
Bayern
05.07.2016
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München. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch (83), erhält den Eugen-Biser-Preis 2016. Sie ist die erste jüdische Preisträgerin der mit 5 000 Euro dotierten Auszeichnung, wie die Eugen-Biser-Stiftung am Montag mitteilte. Die Laudatio bei der Verleihung am 12. September wird Bundestagspräsident Nobert Lammert (CDU) halten, der den Preis 2012 erhielt. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sollen sprechen.

Knobloch war lange Jahre Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses und steht an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Die Preisträgerin mache sich bis heute für eine zukunftsorientierte Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland stark, heißt es in der Begründung des Stiftungsrates. In diesem Zuge habe sich das Judentum "auch über die engen Grenzen der Religionsgemeinschaft hinaus zu einer positiv fördernden Kraft für das Zusammenleben aller in unserem Land lebenden Menschen" entwickelt. Dies gelte für Glaubende wie Nicht-Glaubende.

Gemeinsames Haus Europa


Aus den Erfahrungen der Vergangenheit habe Knobloch die Lehre gezogen, dass ein Einsatz für die demokratischen Werte im eigenen Land nur dann nachhaltig sein könne, wenn damit eine Stärkung des gemeinsamen Hauses Europa einhergehe. Denn gerade die europäische Einheit gewinne ihre Identität aus dem Respekt vor der Pluralität ihrer Mitglieder, so der Stiftungsrat. "Es gehört zu den Überzeugungen von Charlotte Knobloch, dass wir nur auf der Grundlage eines gemeinsamen demokratisch-pluralen Wertekonsenses in Deutschland und Europa die Konflikte mit fundamentalistischen und extremistischen Kräften bewältigen können."

Der Biser-Preis wird in unregelmäßigen Abständen verliehen. Er erinnert an den katholischen Theologen und Priester Eugen Biser (1918 bis 2014). Geehrt werden Persönlichkeiten, die sich mit ihrem Wirken um jene Werte verdient gemacht haben, für die Biser eingetreten ist - nämlich für die Freiheit des Individuums, den Respekt der Menschenwürde und das gesellschaftliche Zusammenleben in "dialogischer Toleranz und die friedensfördernde Bedeutung der Religionen".
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