Fach an Universitäten
Zweitsprache an erste Stelle

Über die Rolle von "Deutsch als Zweitsprache" an den deutschen Universitäten tauschten sich (von links) Professor Rupert Hochholzer sowie die SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Oliver Kaczmarek aus. Bild: gib
Politik BY
Bayern
09.04.2016
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Die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder möchte "Deutsch als Zweitsprache" besser an den Universitäten verankern. Bedarf dafür gibt es.

Regensburg. "Das Wichtigste ist, dass sie schnell Deutsch lernen." Diesen Satz hört man aus Politik und Wirtschaft regelmäßig, wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht. Doch für den Deutschunterricht braucht es entsprechend geschultes Personal. Das Fach "Deutsch als Zweitsprache" führte an den meisten deutschen Unis bislang ein Nischendasein. "In Zukunft werden deutlich mehr Pädagogen gebraucht, die Deutsch als Zweitsprache lehren können", betonte die Schwandorfer SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Regensburg.

Weil die Lehrkräfte zunächst selbst ausgebildet werden müssen, mahnt die Abgeordnete: "Die Zeit drängt." Ihr Parteikollege Oliver Kaczmarek, stellvertretender bildungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, ergänzte: "Wir reden die ganze Zeit darüber, wie wichtig es ist, dass die Leute Deutsch lernen. Aber dafür müssen wir auch die Strukturen bereitstellen." "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) - dieses Fach können Lehramtsstudenten an vielen deutschen Universitäten als freiwillige Zusatzausbildung wählen.

An der Uni Regensburg hat Rupert Hochholzer eine DaZ-Professur inne. Er berichtete von einem gewaltig gestiegenen Interesse unter den Studenten an dem Fach. Als er 2008 die Professur antrat, hatte er drei Studenten, heute sind es 629. Der Hintergrund: Wer als Lehrer - egal ob an Grundschule, Gymnasium oder Berufsschule - "Deutsch als Zweitsprache" in seinem Profil hat, hat derzeit gute Chancen auf eine feste Anstellung. Im kommenden Wintersemester rechnet Hochholzer mit bis zu 900 Studenten. Einerseits ist das eine erfreuliche Entwicklung für ihn, andererseits eine Herausforderung für sein kleines Team, das neben Hochholzer nur aus zweieinhalb befristeten Stellen besteht. Einen Lehrstuhl mit umfangreichem Personalapparat hat "DaZ" an der Uni Regensburg nämlich nicht."Deutsch als Zweitsprache muss in der Ausbildung an den Hochschulen, insbesondere im Lehramtsstudium, eine gewichtigere Rolle spielen", fordert Schieder. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation sei es durchaus überlegenswert, DaZ künftig in die generelle Lehrerausbildung zu integrieren. Auch die berufsbegleitende Nachqualifizierung von bereits an Schulen unterrichtenden Lehrern müsse ausgebaut werden.

Engere Zusammenarbeit


Bei der Umsetzung dieser Forderungen sieht Schieder weniger die Finanzierung als die Frage nach der Zuständigkeit als Hürde. Bildung ist Ländersache, daran will die Abgeordnete auch gar nicht rütteln. Doch im Fall der DaZ-Ausbildung, die alle Bundesländer angehe, plädiert sie für eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern. "Trotz Föderalismus muss ein Bundesprogramm her", sagte Schieder. Professor Hochholzer würde ein solches Förderprogramm begrüßen. Um Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten, brauche es dringend ausgebildetes Fachpersonal, betonte Hochholzer. Ehrenamtliche könnten das auf die Dauer nicht leisten.
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